Bandscheibenvorfall (Prolaps)
Ausstrahlende Schmerzen ins Bein oder den Arm, Taubheitsgefühle oder Kribbeln? Ein Bandscheibenvorfall muss nicht zwingend operiert werden – in der Mehrzahl der Fälle ist ein konservatives Konzept erfolgreich.
Was ist ein Bandscheibenvorfall?
Die Bandscheiben sitzen als Puffer zwischen den Wirbelkörpern und bestehen aus einem faserigen Außenring (Anulus fibrosus) und einem gallertartigen Kern (Nucleus pulposus). Beim Bandscheibenvorfall (Prolaps) tritt Kernmaterial durch einen Riss im Außenring aus und kann auf angrenzende Nervenwurzeln oder das Rückenmark drücken.
Am häufigsten betroffen sind die untersten Segmente der Lendenwirbelsäule (L4/L5 und L5/S1) – dort entstehen die klassischen Ischiasbeschwerden mit Ausstrahlungen ins Bein. An der Halswirbelsäule (C5/C6, C6/C7) führt ein Vorfall zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen im Arm und in den Fingern.
LWS-Vorfall (Ischias)
Ausstrahlende Schmerzen von der Lendenwirbelsäule über Gesäß und Oberschenkel bis in den Unterschenkel oder Fuß (Ischias). Häufig mit Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Kraftminderung in den Beinen verbunden.
HWS-Vorfall (Brachialgie)
Ausstrahlende Schmerzen von der Halswirbelsäule in Schulter, Arm oder Hand. Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern. Oft begleitet von Nackenverspannungen und eingeschränkter Kopfbeweglichkeit.
Sofort in die Notaufnahme bei diesen Zeichen
Taubheitsgefühl und Lähmung in beiden Beinen, Störungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Taubheit im Genital- und Gesäßbereich (Reithosenanästhesie) – diese Zeichen können auf ein Cauda-equina-Syndrom hinweisen. Bitte sofort die Notaufnahme aufsuchen.
Ursachen und begünstigende Faktoren
Degeneration & Alter
- Mit dem Alter verliert der Bandscheibenkern Wassergehalt und Elastizität
- Der Außenring wird rissanfälliger
- Häufigste Altersgruppe: 30–50 Jahre
Mechanische Faktoren
- Schweres Heben in ungünstiger Haltung
- Kombination aus Beugen und Drehen
- Langes Sitzen mit Rundrücken
- Übergewicht erhöht die Bandscheibenbelastung
Weitere Faktoren
- Genetische Veranlagung zur Bandscheibendegeneration
- Rauchen (reduziert Bandscheibenernährung)
- Schwache Rumpfmuskulatur als Risikofaktor
- Erschütterungsbelastung (z.B. Vibration am Arbeitsplatz)
Diagnostik in unserer Praxis
Neurologische Untersuchung
Prüfung von Reflexen (PSR, ASR, BSR), Kraftgraden, Sensibilität und Lasègue-Test. Ermöglicht die Zuordnung zu einem bestimmten Nervenwurzel-Versorgungsgebiet (Dermatom / Myotom).
Digitales Röntgen
Beurteilung der Bandscheibenfachhöhen, Osteochondrose-Zeichen, Instabilität und knöcherner Begleitbefunde. Gibt wichtige Hinweise auf das Ausmaß der Degeneration.
MRT-Indikation
Die Magnetresonanztomographie ist Goldstandard zur Darstellung von Bandscheibenvorfällen und Nervenkompression. Wir veranlassen die MRT-Untersuchung und besprechen die Befunde ausführlich mit Ihnen.
Behandlung des Bandscheibenvorfalls
Die überwiegende Mehrzahl der Bandscheibenvorfälle lässt sich konservativ behandeln. Unser Therapiekonzept kombiniert verschiedene Verfahren zur raschen Schmerzlinderung und nachhaltigen Stabilisierung.
Schmerzlinderung & Entstauung
Lagerung in Entlastungsposition, ggf. kurzzeitige entzündungshemmende Medikation nach ärztlicher Absprache. Ziel: Nervenwurzel-Irritation reduzieren und Behandlungsfähigkeit herstellen.
Traktionsbehandlung
Gezielter Extensionszug an LWS oder HWS entlastet die betroffene Nervenwurzel, erweitert den Zwischenwirbelraum und fördert die Resorption des Vorfalls.
Infiltrationstherapie (PRT)
Periradikuläre Therapie (PRT) – gezielte Injektion von entzündungshemmenden Substanzen direkt an die gereizte Nervenwurzel – als Option bei ausgeprägten Schmerzen.
Aktive Stabilisierung
Gezielter Aufbau der tiefen Rumpfstabilisatoren, segmentale Stabilisationsübungen, Verbesserung der Körperhaltung. Entscheidend für die langfristige Rückfallprophylaxe.
Traktionsbehandlung
Kontrollierter Extensionszug an LWS oder HWS – entlastet komprimierte Nervenwurzeln und vergrößert den Zwischenwirbelraum. Häufig rasche Linderung der Ausstrahlungsschmerzen.
Zur Traktionsbehandlung →Manuelle Therapie
Gezielte Mobilisation angrenzender Wirbelgelenke, Reduktion reflektorischer Muskelverspannungen und Verbesserung der segmentalen Beweglichkeit.
Zur manuellen Therapie →Infiltrationstherapie
Periradikuläre Therapie (PRT) und Facetteninfiltrationen als gezielte Option bei starken Schmerzen – um Bewegungsfähigkeit für die Rehabilitation zu ermöglichen.
Zur konservativen Therapie →Akupunktur
Ergänzend zur Schmerzlinderung – insbesondere bei begleitenden muskulären Verspannungen und chronisch schmerzhaften Verläufen.
Zur Akupunktur →Übungen für zu Hause
Gezielte Stabilisierungsübungen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung und beugen einem erneuten Vorfall vor. Je nach betroffener Etage empfehlen wir:
Verwandte Rückenerkrankungen
LWS-Syndrom & Hexenschuss
Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung – häufig durch Facettengelenkreizung oder Muskelspannung statt durch einen Vorfall.
Zum LWS-Syndrom →Spinalkanalstenose
Chronische Einengung des Wirbelkanals – ähnliche Symptome wie ein Bandscheibenvorfall, aber meist bei älteren Patienten.
Zur Spinalkanalstenose →HWS-Syndrom
Nackenbeschwerden und Arm-Ausstrahlungen – ein HWS-Vorfall ist eine der Ursachen für Brachialgie und Nackenschmerzen.
Zum HWS-Syndrom →Häufige Fragen zum Bandscheibenvorfall
Antworten für Patienten in Beckum und Umgebung
Muss ein Bandscheibenvorfall operiert werden?
Was ist der Unterschied zwischen einem Bandscheibenvorfall und einem Bandscheibenprolaps?
Wie lange dauert die Genesung bei einem Bandscheibenvorfall?
Wann ist der Bandscheibenvorfall ein Notfall?
Darf ich mit einem Bandscheibenvorfall Sport treiben?
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