Hüftschmerzen bei Kindern
Ursachen, Diagnose und Behandlung – von der Coxitis fugax bis zur Hüftdysplasie
Hüftschmerzen im Kindesalter – warum eine genaue Diagnose entscheidend ist
Hüftschmerzen bei Kindern haben je nach Alter sehr unterschiedliche Ursachen – vom harmlosen „Hüftschnupfen" (Coxitis fugax) bis zu Erkrankungen, die rasch behandelt werden müssen. Weil sich der Schmerz oft in Leiste, Oberschenkel oder Knie zeigt und Kinder dabei plötzlich hinken, ist eine gezielte kinderorthopädische Abklärung wichtig.
Die Ursachen sind vielfältig und stark altersabhängig: Was bei einem Kleinkind eine harmlose transiente Synovitis (Hüftschnupfen) sein kann, muss bei einem Jugendlichen sorgfältig auf ernstere Erkrankungen wie den Epiphyseolysis capitis femoris untersucht werden.
Charakteristisch für viele Hüfterkrankungen im Kindesalter ist, dass sich der Schmerz nicht immer direkt in der Hüfte äußert – häufig klagen Kinder über Knie- oder Oberschenkelschmerzen, was die Diagnose erschwert. Eine frühzeitige fachärztliche Abklärung kann schwerwiegende Langzeitfolgen verhindern.
In unserer kinderorthopädischen Sprechstunde in Beckum betreuen wir Familien aus dem gesamten Herzen von Westfalen – aus Ahlen, Oelde, Warendorf, Hamm, Soest und der Umgebung – mit dem Ziel, Hüftprobleme bei Kindern früh zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Wann sofort zum Arzt?
Starke Hüftschmerzen kombiniert mit Fieber, deutlicher Bewegungseinschränkung und allgemeinem Krankheitsgefühl können auf eine septische Arthritis hinweisen – ein kinderorthopädischer Notfall. Bitte suchen Sie in diesem Fall umgehend einen Arzt oder eine Notaufnahme auf.
Die häufigsten Hüfterkrankungen bei Kindern im Überblick
Altersabhängige Ursachen und weiterführende Informationen
Coxitis fugax („Hüftschnupfen", transiente Synovitis)
Die häufigste Ursache akuter Hüftschmerzen im Kindesalter – im Volksmund Hüftschnupfen genannt. Sie tritt meist nach einem viralen Infekt auf und äußert sich in plötzlichem Hinken und Schmerzen – meist ohne Fieber. Die Erkrankung ist selbstlimitierend und heilt in der Regel folgenlos aus. Die jährliche Inzidenz liegt bei etwa 76 pro 100.000 Kindern.
→ Mehr zur Coxitis fugax & HüftgelenkentzündungMorbus Perthes (Legg-Calvé-Perthes)
Eine idiopathische avaskuläre Nekrose des Femurkopfes, die überwiegend Jungen betrifft. Die Erkrankung entwickelt sich schleichend mit zunehmendem Hinken und Schmerzen. Frühzeitige Diagnose und konsequente Verlaufskontrolle sind entscheidend für das langfristige Outcome. Inzidenz: 1–11 pro 100.000 Kinder.
→ Mehr zu Morbus PerthesEpiphyseolysis capitis femoris (SCFE)
Die häufigste Hüfterkrankung im Jugendalter. Beim Epiphyseolysis gleitet die Wachstumsfuge des Femurkopfes ab – typischerweise bei übergewichtigen Jugendlichen. Schmerzen im Hüft-, Leisten- oder Kniebereich und Hinken sind charakteristisch. Die Inzidenz liegt bei etwa 4,8 pro 100.000 Kindern. Eine operative Versorgung ist in der Regel erforderlich.
→ Mehr zur EpiphyseolysisSeptische Arthritis (Eitrige Hüftgelenkentzündung)
Die septische Arthritis kann in jedem Alter auftreten und ist besonders bei Säuglingen und Kleinkindern gefährlich. Typisch sind starke Schmerzen, Fieber und eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit. Sie gilt als kinderorthopädischer Notfall, da ohne sofortige Behandlung bleibende Gelenkschäden drohen. Inzidenz: 4–5 pro 100.000 Kinder pro Jahr.
→ Abgrenzung: Coxitis fugax vs. septische ArthritisHüftdysplasie
Die Hüftdysplasie ist eine der häufigsten angeborenen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Eine unzureichende Überdachung des Hüftkopfes kann ohne Behandlung zu Schmerzen und vorzeitiger Arthrose führen. Das Neugeborenen-Screening mittels Hüftultraschall ermöglicht eine frühzeitige Diagnose und konservative Therapie.
→ Mehr zur HüftdysplasieHüftultraschall (U3-Vorsorge)
Im Rahmen der U3-Vorsorgeuntersuchung (4.–6. Lebenswoche) wird in Deutschland standardmäßig ein Hüftultraschall durchgeführt. Dieses Screening ermöglicht es, eine Hüftdysplasie oder -luxation frühzeitig zu erkennen, bevor Beschwerden entstehen – und eine schonende Frühbehandlung einzuleiten.
→ Mehr zum Hüftultraschall U3Diagnostik bei Hüftschmerzen im Kindesalter
Strukturierte Abklärung für eine präzise Diagnose
Klinische Untersuchung
Die kinderorthopädische Untersuchung bildet die Grundlage jeder Diagnose. Wir erheben eine ausführliche Anamnese und prüfen Beweglichkeit, Gangbild und Schmerzlokalisation.
- Detaillierte Befragung zu Beginn und Verlauf der Beschwerden
- Beurteilung des Gangbilds und Hinken
- Prüfung der Hüftbeweglichkeit und Schmerzprovokation
- Beurteilung beider Hüftgelenke im Seitenvergleich
Bildgebung & Labor
Je nach Verdachtsdiagnose kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz, die eine zielgerichtete Therapieplanung ermöglichen.
- Sonografie (Ultraschall) – erste Wahl, strahlenarm
- Röntgen – bei Verdacht auf strukturelle Veränderungen
- Laborwerte – zur Abgrenzung Coxitis fugax vs. septische Arthritis
- MRT – bei unklarem Befund oder Verdacht auf Perthes
Altersabhängige Leitsymptome
Hüftschmerzen bei Kindern sind kein einheitliches Bild
Altersgruppen und typische Erkrankungen
- Neugeborene & Säuglinge: Hüftdysplasie und -luxation – Screening per Ultraschall im Rahmen der U3
- 3–10 Jahre: Coxitis fugax (transiente Synovitis) – häufigste Ursache, meist nach Infekt
- 4–10 Jahre: Morbus Perthes – schleichendes Hinken, häufiger bei Jungen
- 9–16 Jahre: Epiphyseolysis capitis femoris – häufigste Hüfterkrankung im Jugendalter, oft bei Übergewicht
- Alle Altersgruppen: Septische Arthritis – Notfall, immer ausschließen bei Fieber + starken Schmerzen
- Übertragener Schmerz: Hüfterkrankungen können sich als Knie-, Leisten- oder Oberschenkelschmerz äußern – immer die Hüfte mituntersuchen
- Hinken/Humpeln – auch ohne Schmerz: plötzliches Hinken ist immer abklärungswürdig; häufig Hüftschnupfen, bei Fieber oder fehlender Belastbarkeit umgehend abklären
- Abgrenzung Wachstumsschmerzen: meist beidseits, abends/nachts und ohne Hinken – einseitige Hüft-/Leistenschmerzen mit Hinken passen nicht dazu
Ihre Kinderorthopäden bei Hüftschmerzen im Kindesalter
Dr. Jan Niklas Bröking (Schwerpunkt Kinderorthopädie) und Dr. Britta Bröking klären Hüftschmerzen bei Kindern altersgerecht ab und begleiten die weitere Behandlung.

Dr. med. Jan Niklas Bröking
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
- Zusatzbezeichnung Kinderorthopädie
- Fußchirurgie – Departmentleiter St. Elisabeth-Hospital Beckum
- Manuelle Medizin / Chirotherapie
- Zertifikat Fußballmedizin (DFB)
Häufige Fragen zu Hüftschmerzen bei Kindern
Antworten auf die wichtigsten Fragen von Eltern
Was sind die häufigsten Ursachen für Hüftschmerzen bei Kindern?
Wann sollte ich mit meinem Kind dringend zum Arzt?
Kann Hüftschmerz bei Kindern auch als Knieschmerz auftreten?
Was ist der Unterschied zwischen Coxitis fugax und septischer Arthritis?
Wie wird eine Hüftdysplasie beim Neugeborenen erkannt?
Was ist Hüftschnupfen bei Kindern?
Mein Kind humpelt (auch ohne Schmerzen) – was tun?
Hüftschmerzen – Wachstumsschmerzen oder etwas Ernstes?
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