Durchblutungsstörung des Hüftkopfes bei Kindern – Ursachen, Diagnostik und individuelle Behandlung
Morbus Perthes (Legg-Calvé-Perthes-Krankheit) ist eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes bei Kindern. Durch die gestörte Blutversorgung stirbt Knochengewebe im Hüftkopf ab – dem kugelförmigen oberen Teil des Oberschenkelknochens, der das Hüftgelenk bildet. Die Erkrankung verläuft in fünf charakteristischen Stadien: vom Initialstadium mit subchondraler Nekrose über Kondensation, Fragmentation und Reparation bis hin zum Ausheilungsstadium. Dieser gesamte Heilungsprozess kann mehrere Jahre dauern.
Morbus Perthes ist eine seltene Erkrankung, die vorwiegend Jungen im Alter von 5 bis 8 Jahren betrifft – etwa 80 bis 85 Prozent der betroffenen Kinder sind männlich. Das Erkrankungsalter kann insgesamt zwischen 2 und 14 Jahren liegen. In etwa 10 bis 15 Prozent der Fälle sind beide Hüften betroffen, allerdings meist nicht gleichzeitig.
🏥 Als Ihre Kinderorthopädie im Herzen von Westfalen begleiten wir Familien aus Beckum, Ahlen, Oelde, Warendorf, Hamm, Soest und dem gesamten Münsterland bei der Diagnose, Beratung und Nachsorge von Morbus Perthes.
Was löst Morbus Perthes aus?
Die genaue Ursache von Morbus Perthes ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die Wissenschaft geht von einem multifaktoriellen Geschehen aus, bei dem die Blutversorgung des Hüftkopfes unterbrochen wird – was zum Absterben von Knochengewebe führt. Kinder im Alter von 5 bis 8 Jahren sind besonders gefährdet, weil die Blutgefäßversorgung des Hüftkopfes in diesem Alter eine besonders anfällige Phase durchläuft.
Wissenschaftliche Studien haben verschiedene Faktoren identifiziert, die möglicherweise eine Rolle spielen – darunter Gerinnungsstörungen, Umwelteinflüsse sowie bestimmte Schwangerschaftsfaktoren. Für betroffene Eltern ist wichtig zu wissen: Das Auftreten von Morbus Perthes ist kein Versagen der Eltern und lässt sich in der Regel weder vorhersagen noch verhindern.
Folgende Faktoren stehen wissenschaftlich in Zusammenhang mit dem Auftreten von Morbus Perthes:
Morbus Perthes folgt einem charakteristischen, mehrjährigen Verlauf
Unabhängig von Schweregrad und Behandlung durchläuft Morbus Perthes stets dieselbe Abfolge radiologisch und klinisch definierbarer Stadien. Das Wissen um das aktuelle Stadium ist entscheidend – es bestimmt, welche Befunde zu erwarten sind, welche Risikozeichen im Röntgenbild auf Komplikationen hindeuten und welche therapeutischen Maßnahmen sinnvoll sind.
Durchblutungsstörung führt zur subchondralen Nekrose. Im Röntgen zeigen sich Gelenkerguss und Wachstumsretardierung des Hüftkopfkerns; eine Gelenkspaltvergrößerung kann bestehen.
Der Hüftkopf verdichtet sich, die Epiphyse sklerosiert.
Mikrofrakturierung des nekrotischen Hüftkopfkerns, scholliger Zerfall der Knochenstruktur, Risse in der Epiphyse.
Wiederaufbau der Knochensubstanz des Hüftkopfes mit zunehmender Revaskularisation.
Abschluss des knöchernen Umbaus – entweder Restitutio ad integrum oder Fixierung einer Deformität als dauerhaftes Ergebnis.
Diese Anzeichen sollten Eltern aufhorchen lassen
Das häufigste erste Anzeichen von Morbus Perthes ist ein Hinken, das ohne erkennbare Vorgeschichte auftritt – oft ohne dass das Kind dabei über starke Schmerzen klagt. Die Beschwerden können wechselnd auftreten und sich nach körperlicher Belastung verstärken. Daneben können Schmerzen in der Hüfte, der Leiste oder im Oberschenkel bestehen. Eingeschränkte Hüftbeweglichkeit oder ein verändertes Gangbild sind weitere typische Befunde.
Grundsätzlich gilt: Jedes Kind zwischen 2 und 14 Jahren, das ohne erklärbare Ursache hinkt, sollte zeitnah kinderorthopädisch vorgestellt werden – je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist der Spielraum für eine individuell abgestimmte Behandlung.
Hüftprobleme äußern sich bei Kindern häufig als Knieschmerzen – der Schmerz wird vom Hüftgelenk übertragen. Knieschmerzen ohne Trauma sollten daher immer auch eine kinderorthopädische Hüftuntersuchung nach sich ziehen.
Wie wird die Erkrankung festgestellt?
Bei Verdacht auf Morbus Perthes erfolgt zunächst eine ausführliche klinische Untersuchung des Hüftgelenks. Dabei werden Beweglichkeit und Gangbild beurteilt. Für eine gesicherte Diagnose und Schweregradbestimmung sind bildgebende Untersuchungen notwendig.
Prüfung der Hüftbeweglichkeit, Beurteilung des Gangbildes und körperliche Untersuchung. Hinken und eingeschränkte Hüftbeweglichkeit sind typische klinische Befunde.
Röntgenbilder in zwei Ebenen sind die wichtigste Erstuntersuchung. In frühen Stadien können sie noch unauffällig sein; typische Zeichen sind Verdichtung, Zersplitterung und Abflachung des Hüftkopfes.
Die MRT ist empfindlicher als Röntgen und kann die Erkrankung früher erkennen sowie das Ausmaß der Durchblutungsstörung besser darstellen. Für die Therapieentscheidung ist sie jedoch allein nicht ausreichend – sie ist stets in Korrelation mit den Röntgenbefunden zu bewerten.
Individuell angepasst nach Klassifikation, Alter und Stadium
Ziel jeder Behandlung ist es, den Hüftkopf in der Hüftpfanne zu halten (Containment), die Beweglichkeit des Hüftgelenks zu erhalten und mechanische Schäden am wachsenden Knochen zu begrenzen.
Grundlage jeder Therapieentscheidung ist eine sorgfältige Klassifikation des Befundes. Gebräuchlich sind die Waldenström-Klassifikation (radiologische Stadien), die Catterall-Klassifikation (vier Gruppen nach Ausmaß der Hüftkopfbeteiligung) und die Herring-Klassifikation (Lateral Pillar). Ergänzend werden im Röntgenbild spezifische Risikozeichen bewertet, die auf einen ungünstigen Verlauf hinweisen und die Therapieentscheidung beeinflussen.
Häufig ausreichend bei Kindern unter 6–8 Jahren oder geringem Schweregrad:
In Betracht bei Kindern über 8 Jahren mit mittlerem bis schwerem Befund (Herring B/C oder C):
Was beeinflusst den Langzeitverlauf?
Die Langzeitprognose hängt vor allem davon ab, wie rund der Hüftkopf nach Abschluss der Erkrankung ist. Kinder, die vor dem 6. Lebensjahr erkranken, haben in der Regel günstigere Aussichten. Wissenschaftliche Langzeitstudien belegen, dass eine frühzeitige Diagnose und individuell angepasste Behandlung dazu beitragen können, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Ihr Ansprechpartner im Herzen von Westfalen
Die Begleitung bei Morbus Perthes erfordert erfahrene Kinderorthopäden über den gesamten Krankheitsverlauf. In unserer Orthopädischen Praxis in Beckum bieten wir eine ausführliche kinderorthopädische Beratung und begleiten Sie als Familie durch Diagnose, Therapie und Nachsorge.
Ausführliche klinische Untersuchung und Beratung bei Verdacht auf Morbus Perthes. Einleitung der notwendigen Bildgebung (Röntgen, ggf. MRT) und Klassifikation des Befundes.
Gemeinsame Therapieentscheidung auf Basis von Alter, Schweregrad und Stadium. Bei Bedarf gezielte Vermittlung an spezialisierte kinderorthopädische Zentren in der Region.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen während der gesamten Erkrankungsdauer und darüber hinaus. Empfohlen werden in der Regel halbjährliche klinische Verlaufskontrollen.
Für Familien aus Beckum, Ahlen, Oelde, Warendorf, Hamm, Soest, Ennigerloh, Wadersloh und dem gesamten Münsterland sind wir Ihr erster Ansprechpartner für alle Fragen rund um Morbus Perthes und andere Hüfterkrankungen bei Kindern.
Auch nach Abschluss der Erkrankung sind regelmäßige kinderorthopädische Kontrollen empfehlenswert. Im Erwachsenenalter können Hüftschmerzen oder Bewegungseinschränkungen auftreten. Ziel der Nachsorge ist es, mögliche Folgeprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Antworten auf die wichtigsten Fragen von Eltern
Morbus Perthes (Legg-Calvé-Perthes-Krankheit) ist eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes bei Kindern, bei der Knochengewebe im Hüftkopf abstirbt. Die Erkrankung betrifft hauptsächlich Jungen im Alter von 5 bis 8 Jahren und verläuft über mehrere Jahre in verschiedenen Phasen.
Das häufigste erste Anzeichen ist ein schmerzloses Hinken. Darüber hinaus können Schmerzen in der Hüfte, Leiste oder im Oberschenkel auftreten. Manchmal klagen Kinder auch über Knieschmerzen (sogenannter „übertragener Schmerz") sowie über eine eingeschränkte Beweglichkeit des Hüftgelenks.
Die Diagnose erfolgt durch eine klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren. Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen sind die wichtigste Erstuntersuchung. Eine MRT-Untersuchung ist empfindlicher, kann die Erkrankung früher erkennen und das Ausmaß der Durchblutungsstörung besser darstellen – sie ist besonders wichtig für die Therapieplanung.
Die Behandlung richtet sich nach Alter, Schweregrad und Stadium. Bei jüngeren Kindern unter etwa 6 bis 8 Jahren ist häufig eine konservative Behandlung mit Physiotherapie und Bewegungsübungen ausreichend. Bei älteren Kindern mit mittlerem bis schwerem Befund kann eine Operation (Knochenumstellung am Oberschenkel oder Becken) in Betracht gezogen werden. Vollständige Entlastung wird heute nicht mehr generell empfohlen.
Der gesamte Heilungsprozess kann mehrere Jahre dauern. Regelmäßige kinderorthopädische Kontrollen sind während dieser Zeit wichtig, um den Verlauf zu beurteilen und die Behandlung anzupassen. Auch nach Abklingen der Erkrankung sind Nachsorgeuntersuchungen empfehlenswert.
Gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren und kurze Spaziergänge sind in der Regel möglich. Reiten ist in allen Stadien in der Regel ohne Einschränkungen erlaubt. Belastende Sportarten wie Trampolinspringen, Laufen und Ballsportarten sollten insbesondere in frühen Krankheitsstadien vermieden werden. Der behandelnde Kinderorthopäde gibt individuelle Empfehlungen.
Die Prognose hängt wesentlich vom Erkrankungsalter und dem Schweregrad ab. Kinder, die vor dem 6. Lebensjahr erkranken, haben in der Regel günstigere Langzeitaussichten. Entscheidend ist die Form des geheilten Hüftkopfes: Je runder er nach Abschluss der Erkrankung ist, desto besser das langfristige Ergebnis. Langfristige Kontrolluntersuchungen sind empfehlenswert.
In der Orthopädischen Praxis Beckum beraten wir Sie ausführlich zu Morbus Perthes – von der Diagnose über die Therapieplanung bis zur langfristigen Nachsorge. Unsere Kinderorthopäden Dr. med. Jan Niklas Bröking und Dr. med. Britta Bröking verfügen über fundierte Expertise in der Kinderorthopädie. Für Familien aus Beckum, Ahlen, Oelde, Warendorf, Hamm und dem Münsterland sind wir Ihr erster Ansprechpartner.
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