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Achillessehnenbeschwerden – Achillodynie & Tendopathie

Schmerzen an der Achillessehne sind häufig bei Läufern, Sportlern und aktiven Menschen. Von der Reizung bis zur degenerativen Tendopathie – ein strukturiertes Behandlungskonzept kann in den meisten Fällen gute Ergebnisse erzielen.

Definition

Achillessehnenbeschwerden umfassen schmerzhafte Reizungen und degenerative Veränderungen der Achillessehne (Achillodynie / Tendopathie). Sie betreffen vor allem Sportler und aktive Menschen – besonders Männer zwischen 30 und 50 Jahren – und werden in der Orthopädischen Praxis Beckum konservativ mit exzentrischem Wadentraining, Stoßwellentherapie, HEIT und ggf. Einlagenversorgung behandelt. Wichtig: Kortison-Injektionen in die Sehne sind kontraindiziert. Eine Operation ist selten und nur bei therapieresistenten Verläufen oder einer Achillessehnen-Ruptur erforderlich.

Die Achillessehne ist die kräftigste Sehne des menschlichen Körpers — sie verbindet die Wadenmuskulatur (M. gastrocnemius und M. soleus) mit dem Fersenbein (Calcaneus) und überträgt enorme Kräfte beim Gehen, Laufen und Springen. Durch chronische Überlastung kommt es zu Mikrorissen und einer ungeordneten Kollagenstruktur in der Sehne – einer sogenannten Tendopathie, die ohne klassische Entzündung im engeren Sinne abläuft. Daher sind Kortison-Injektionen in die Sehne kontraindiziert.

Man unterscheidet verschiedene Verläufe — von der reinen Reizung über die degenerative Tendopathie bis zur vollständigen Sehnen-Ruptur:

Verlauf und Prognose sind bei konsequenter Therapie meist günstig: Mit täglich durchgeführtem exzentrischem Wadentraining (Alfredson-Protokoll) über 12 Wochen erreichen die meisten Patienten eine deutliche Beschwerdebesserung. Eine chronisch-degenerative Tendopathie kann allerdings über Monate bestehen — Geduld und Konsequenz in der Eigentherapie sind hier entscheidend. Eine vollständige Achillessehnen-Ruptur wird konservativ oder operativ (Naht) versorgt und hat bei rechtzeitiger Behandlung eine gute Prognose.

Corpus-Tendopathie

Schmerzen und Verdickung der Achillessehne 2–6 cm oberhalb des Fersenbeins. Die häufigste Form bei Läufern und Sportlern – meist gut konservativ zu behandeln.

Insertionale Tendopathie

Schmerzen direkt am Sehnenansatz am Fersenbein. Oft begleitet von einer Haglund-Exostose (Knochenvorsprung) oder Bursitis. Therapiebedürftiger als die Corpus-Form.

Achillessehnen-Ruptur

Vollständige Unterbrechung der Sehne – meist durch ein plötzliches Ereignis (Absprung, Tritt auf unebenen Untergrund). „Peitschenhieb-Gefühl" + tastbare Lücke + Verlust der Zehenstandkraft.

Ursachen und Risikofaktoren

Mechanische Überlastung

  • Plötzliche Steigerung der Lauf- oder Sprungbelastung
  • Ungeeignetes Schuhwerk, harte Laufunterlage
  • Verkürzte Wadenmuskulatur
  • Hochintensive Belastungssportarten (Laufen, Tennis, Volleyball)
🦶

Strukturelle Faktoren

  • Fußfehlstellungen (Knick-Senk-Fuß, Hohlfuß)
  • Haglund-Exostose am Fersenbein
  • Beinlängendifferenz
  • Achillessehnen-Vorerkrankung
📈

Begünstigende Faktoren

  • Männliches Geschlecht zwischen 30 und 50 Jahren
  • Fluorchinolon-Antibiotika (erhöhtes Sehnenrisiko)
  • Frühere Kortison-Injektionen in die Sehne (kontraindiziert)
  • Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Rheuma, Diabetes)

Symptome

Schmerz & Funktion

  • Morgensteifigkeit und Anlaufschmerz an der Achillessehne
  • Belastungsschmerz beim Laufen, Treppensteigen, Bergaufgehen
  • Schmerz bei Kompression der Sehne
  • Im fortgeschrittenen Stadium auch Dauerschmerz in Ruhe

Tastbare Befunde

  • Verdickung oder Schwellung 2–6 cm oberhalb des Fersenbeins (Corpus-Tendopathie)
  • Druckschmerz und Schwellung direkt am Sehnenansatz (insertional)
  • Tastbare Krepitation oder Knirschen bei Bewegung
  • Gelegentlich Rötung und Überwärmung im akuten Reizzustand
🚨

Wann sollten Sie sofort zum Arzt?

Bei folgenden Warnzeichen ist eine zeitnahe orthopädische Vorstellung – im Zweifel über die Notaufnahme – notwendig:

  • Plötzlicher starker Schmerz an der Achillessehne („Peitschenhieb-Gefühl")
  • Tastbare Lücke in der Sehne
  • Plötzlicher Kraftverlust beim Zehenstand oder Abdruck
  • Starke Schwellung mit Rötung und Überwärmung
  • Achillessehnen-Schmerzen in Kombination mit Fieber

Im Notfall: Notruf 112 oder direkt zur Notfall-Information. Bei weniger bedrohlichen Beschwerden: Online-Termin buchen.

Diagnostik in unserer Praxis

🩺

Klinische Untersuchung

Thomson-Test (Wadendrucktest zum Ausschluss einer Ruptur), Palpation der Sehne, Bewegungsausmaß im Sprunggelenk, Beurteilung von Wadenkraft und Verkürzung.

🔊

Ultraschall (Sonographie)

Direkte Darstellung der Sehnenstruktur, Verdickungen, Verkalkungen und Flüssigkeitsansammlungen – ermöglicht die Unterscheidung zwischen Teilriss und Tendopathie.

Mehr zur Ultraschalldiagnostik →

🩻

Röntgen & MRT

Röntgen zur Beurteilung von Verkalkungen und Haglund-Exostose am Fersenbein. Eine MRT wird bei unklaren Befunden oder zur OP-Planung ergänzend veranlasst.

Mehr zum digitalen Röntgen →

Behandlung von Achillessehnenbeschwerden

Das Fundament der Behandlung sind exzentrisches Wadentraining und die Stoßwellentherapie — beide haben in zahlreichen Studien die beste Evidenz bei Achillessehnen-Tendopathie. Ziel ist die Schmerzlinderung, die Anregung der Sehnenregeneration und die Wiederherstellung der vollen Belastbarkeit.

Im akuten Stadium stehen Belastungsanpassung, Fersenerhöhung zur Entlastung und Eis im Vordergrund. Im weiteren Verlauf bilden Stoßwellentherapie (ESWT) bei chronischer Tendopathie, HEIT (Hochenergie-Induktionstherapie) zur Durchblutungsförderung und eine orthopädische Einlagenversorgung bei begleitender Fußfehlstellung (Knick-Senk-Fuß) die wichtigsten Behandlungs-Säulen. Wichtig: Kortison-Injektionen direkt in die Achillessehne sind kontraindiziert, da sie das Rupturrisiko erheblich erhöhen.

Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen in Betracht – bei einer Achillessehnen-Ruptur (Naht) oder bei chronisch-degenerativer Tendopathie, die auf konsequente konservative Therapie über mehrere Monate nicht ausreichend angesprochen hat.

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Wann ist eine Operation notwendig?

Eine operative Behandlung der Achillessehne wird in zwei Situationen erwogen: (a) bei einer kompletten Achillessehnen-Ruptur als operative Naht – Alternative ist je nach Befund und Patientenwunsch eine konservative Funktionsbehandlung im Spezialschuh. (b) bei chronisch-degenerativer Tendopathie, die auf konsequente konservative Therapie (insbesondere exzentrisches Training über mindestens 12 Wochen + Stoßwellentherapie) nicht ausreichend angesprochen hat – dann kommt ein operatives Sehnen-Débridement in Betracht. Die Indikation klären wir gemeinsam und in Kooperation mit spezialisierten Kliniken.

Eigentherapie bei Achillessehnenbeschwerden

Beim Achillessehnen-Problem ist das exzentrische Wadentraining (Alfredson-Protokoll) der zentrale Baustein der Eigentherapie — kein anderes Element der Therapie hat eine vergleichbare Evidenz. „Exzentrisch" bedeutet: die Wadenmuskulatur in der absenkenden Bewegung belasten — also langsam vom Zehenstand absenken (auf einer Stufe so, dass die Ferse unter die Stufenkante reicht).

Entscheidend ist die tägliche Durchführung über mindestens 12 Wochen — auch wenn die Übung anfangs schmerzhaft ist (leichter Schmerz ist hier erwünscht, da er den Heilungsreiz triggert). Ergänzend kann eine entzündungshemmende Ernährung reaktive Beschwerden mildern und die Sehnenheilung unterstützen. Unser Übungsprogramm enthält bebilderte Anleitungen für zuhause.

Häufige Fragen zu Achillessehnenbeschwerden

Antworten für Patienten in Beckum und Umgebung

Was ist der Unterschied zwischen Achillodynie und Achillessehnenriss?
Die Achillodynie bezeichnet Schmerzen an der Achillessehne durch Überlastung oder degenerative Veränderungen (Tendopathie) – die Sehne ist intakt, aber gereizt und strukturell verändert. Ein Achillessehnenriss (Ruptur) ist eine vollständige oder teilweise Unterbrechung der Sehne – meist durch ein plötzliches Ereignis (Absprung, Tritt auf unebenen Untergrund). Ein Riss erfordert eine sofortige orthopädische Abklärung.
Was ist eine Achillessehnen-Tendopathie?
Die Tendopathie bezeichnet degenerative Veränderungen in der Sehnenstruktur – durch chronische Überlastung kommt es zu Mikrorissen, ungeordneter Kollagenstruktur und lokaler Gewebereizung ohne klassische Entzündung im engeren Sinne. Diese Veränderungen erklären, warum Kortison-Injektionen in die Sehne nicht empfohlen werden. Stoßwellentherapie und exzentrisches Training sind hier deutlich geeigneter.
Hilft Stoßwellentherapie bei Achillessehnenbeschwerden?
Ja – die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist bei chronischer Achillessehnen-Tendopathie eine gut belegte Behandlungsoption. Sie kann die Durchblutung im Sehnengewebe anregen und degenerierte Bereiche zur Regeneration stimulieren. Besonders bei Beschwerden, die auf alleiniges Heimtraining nicht ansprechen, ist Stoßwelle eine wirksame Ergänzung.
Was sind exzentrische Übungen und warum sind sie wichtig?
Exzentrisches Training bedeutet, die Wadenmuskulatur bei absenkendem Bewegungsablauf zu belasten – z. B. langsam vom Zehenstand absenken (Alfredson-Protokoll). Diese Trainingsform hat in zahlreichen Studien die beste Evidenz zur Behandlung der Achillessehnen-Tendopathie. Die tägliche Durchführung über 12 Wochen ist entscheidend für den Behandlungserfolg.
Wann sollten Sie bei Achillessehnenschmerzen zum Arzt?
Sofort vorstellen bei: plötzlichem, starkem Schmerz an der Achillessehne (Peitschenhieb-Gefühl), Lücke tastbar in der Sehne, plötzlichem Kraftverlust beim Zehenstand – dies sind Zeichen einer Ruptur. Auch bei starker Schwellung, Überwärmung oder nach einem Trauma bitte zeitnah vorstellen.

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