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Übungen bei Achillodynie (Achillessehnenschmerzen)

8 Übungen für die Achillessehne: exzentrisches Wadentraining nach Alfredson, Dehnung und Stabilisation – angepasst an Ansatz- oder Mittelteil-Reizung, einfach erklärt und zum Ausdrucken

Welche Übungen helfen bei Achillessehnenschmerzen? Das langsame, exzentrische Wadentraining (Alfredson-Protokoll) ist die wirksamste Behandlung – wichtig ist, es an den Ort der Reizung anzupassen: am Sehnenmittelteil mit tiefer Fersenabsenkung, am Sehnenansatz nur bis Bodenhöhe. Reine Schonung verzögert die Heilung dagegen eher.

Die Achillodynie ist ein gestörter Umbau des Sehnengewebes durch Überlastung – der Reiz zur Heilung kommt aus dosierter, langsam gesteigerter Belastung. Das Programm kombiniert einen isometrischen Einstieg für schmerzhafte Phasen, das exzentrische bzw. hochbelastende Krafttraining als Kern, Dehnung und Balance. Ein wichtiger Punkt vorweg – und weiter unten im FAQ erklärt: Ob die Reizung am Mittelteil oder direkt am Ansatz sitzt, entscheidet über die Absenktiefe. Alles zur Erkrankung: Achillessehne & Achillodynie. Sitzt Ihr Schmerz unten an der Fußsohle statt hinten, schauen Sie auf die Fersensporn-Übungen.

Erst abklären, dann üben

Vor Beginn sollte die Ursache und die Lokalisation der Beschwerden ärztlich abgeklärt sein – davon hängt die richtige Absenktiefe ab. Sofort ärztlich vorstellen müssen Sie sich bei plötzlichem, peitschenartigem Wadenschmerz mit Kraftverlust (Verdacht auf Sehnenriss). Diese Übungen ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Führen Sie das Krafttraining schmerzadaptiert durch: Ein moderates Ziehen an der Sehne ist erlaubt, solange es am nächsten Morgen nicht schlimmer ist – stechender oder zunehmender Schmerz ist ein Zeichen zum Reduzieren. Bei Verschlechterung kontaktieren Sie unsere Sprechstunde in Beckum.

⚡ Wenn Übungen allein nicht reichen: Stoßwellentherapie

Das Krafttraining bleibt die Basis. Beim hartnäckigen Verlauf ist die Stoßwellentherapie eine gut belegte Ergänzung – das Verfahren wird nach der Lokalisation gewählt: Bei der Mittelteil-Tendinopathie kommt meist die radiale Stoßwelle zum Einsatz, bei der Ansatztendinopathie die fokussierte Stoßwelle. Was in Ihrem Fall passt, klären wir per Ultraschall in der Sprechstunde.

Übungsprogramm bei Achillodynie

8 Übungen – Krafttraining nach Plan, Dehnung und Balance ergänzend, schmerzadaptiert

1

Isometrisches Wadenheben-Halten (Einstieg)

⭐ Leicht ⏱️ 30–45 Sek. halten 🔁 5×, täglich möglich
Ausführung:
  1. Aufrecht stehen, bei Bedarf an einer Wand abstützen
  2. Auf beide Fußballen hochdrücken (Zehenstand) und die Position halten
  3. 30–45 Sekunden halten, ruhig atmen, langsam absenken
  4. Steigerung: mehr Gewicht auf das betroffene Bein verlagern

Isometrisches Halten belastet die Sehne dosiert ohne Bewegung und wirkt bei vielen unmittelbar schmerzlindernd – der ideale Einstieg in der gereizten Phase.

💡 Tipp: Bei starkem Schmerz zunächst beidbeinig und auf ebenem Boden – erst später einbeinig steigern.
2

Exzentrisches Wadensenken, gestrecktes Knie (Alfredson)

⭐⭐ Mittel ⏱️ langsam absenken 🔁 3×15, 2× täglich
Ausführung:
  1. Mit dem Fußballen auf eine Stufenkante stellen, das Knie gestreckt, an der Wand festhalten
  2. Mit beiden Beinen in den Zehenstand hochdrücken
  3. Das Gewicht auf das betroffene Bein verlagern und die Ferse langsam absenken
  4. Mittelteil-Reizung: tief unter die Stufenkante absenken · Ansatz-Reizung: nur bis Bodenhöhe, nicht darunter
  5. Zum Hochkommen wieder beide Beine nutzen

Das langsame Absenken (exzentrisch) mit gestrecktem Knie trainiert vor allem den oberflächlichen Wadenmuskel – die am besten belegte Kernübung bei Achillodynie.

💡 Tipp: Absenktiefe unbedingt an Ihre Lokalisation anpassen (siehe FAQ) – im Zweifel nur bis Bodenhöhe.
3

Exzentrisches Wadensenken, gebeugtes Knie (Alfredson)

⭐⭐ Mittel ⏱️ langsam absenken 🔁 3×15, 2× täglich
Ausführung:
  1. Gleiche Ausgangsposition wie Übung 2, aber das Knie leicht gebeugt halten
  2. In den Zehenstand hochkommen und die Ferse langsam absenken (gleiche Tiefen-Regel wie Übung 2)
  3. Das Knie bleibt während des Absenkens durchgehend leicht gebeugt
  4. Zum Hochkommen beide Beine nutzen

Mit gebeugtem Knie wird der tiefe Wadenmuskel (Soleus) betont – erst Übung 2 und 3 zusammen decken die gesamte Wadenmuskulatur ab.

💡 Tipp: Übung 2 und 3 gehören zum Alfredson-Protokoll immer als Paar – nacheinander ausführen.
4

Langsames beidbeiniges Wadenheben (Heavy Slow Resistance)

⭐⭐ Mittel ⏱️ 3 Sek. hoch, 3 Sek. runter 🔁 3×12, jeden 2. Tag
Ausführung:
  1. Mit den Fußballen auf einer Stufenkante stehen, festhalten
  2. Betont langsam in 3 Sekunden in den Zehenstand hochdrücken
  3. Oben kurz halten, in 3 Sekunden ebenso langsam absenken (Tiefe je nach Lokalisation)
  4. Steigerung: einbeinig oder mit Rucksack als Zusatzlast

Das langsame, schwere Krafttraining („Heavy Slow Resistance") ist dem rein exzentrischen Training gleichwertig – eine gute Alternative, wenn das reine Absenken beschwerlich ist.

💡 Tipp: Entweder Alfredson (Übung 2+3) oder Heavy Slow Resistance (Übung 4) als Kern wählen – nicht beides gleichzeitig überdosieren.
5

Wadendehnung mit gestrecktem Knie (Gastrocnemius)

⭐ Leicht ⏱️ 30 Sek. halten 🔁 3× pro Seite, täglich
Ausführung:
  1. Im Schrittstand vor einer Wand, die Hände abstützen
  2. Das betroffene Bein nach hinten, die Ferse bleibt am Boden, das Knie gestreckt
  3. Den Oberkörper langsam zur Wand neigen, bis die Wade zieht
  4. 30 Sekunden halten, dann Seitenwechsel

Hält die Wadenmuskulatur geschmeidig und reduziert den Zug auf die Achillessehne. Bei akuter Ansatz-Reizung sanft dosieren.

💡 Tipp: Die hintere Fußspitze zeigt gerade nach vorne – kein Auswärtsdrehen, das entlastet die Dehnung ungewollt.
6

Wadendehnung mit gebeugtem Knie (Soleus)

⭐ Leicht ⏱️ 30 Sek. halten 🔁 3× pro Seite, täglich
Ausführung:
  1. Gleiche Ausgangsposition wie Übung 5
  2. Das hintere Knie diesmal leicht beugen, die Ferse bleibt am Boden
  3. Die Dehnung wandert tiefer Richtung Sehnenansatz
  4. 30 Sekunden halten, Seitenwechsel

Erreicht den tiefen Wadenmuskel, den die gestreckte Dehnung nicht erfasst – ergänzt Übung 5 sinnvoll.

💡 Tipp: Ruhig halten, nicht wippen – die Dehnung soll gleichmäßig ziehen.
7

Einbeinstand zur Stabilisation

⭐⭐ Mittel ⏱️ 30 Sek. pro Bein 🔁 3× pro Seite, täglich
Ausführung:
  1. Barfuß auf das betroffene Bein stellen, das Knie ganz leicht gebeugt
  2. Das Fußgewölbe aktiv halten, den Fuß ruhig stabilisieren
  3. 30 Sekunden halten, ruhig atmen
  4. Steigerung: Augen schließen oder auf eine weiche Unterlage stellen

Verbessert die Fuß- und Sprunggelenkkontrolle (Propriozeption) – wichtig, um die Sehne bei Alltag und Sport gleichmäßig zu belasten.

💡 Tipp: Ideal beim Zähneputzen – morgens ein Bein, abends das andere.
8

Faszienrolle für die Wade

⭐ Leicht ⏱️ 1–2 Min. pro Seite 🔁 täglich
Ausführung:
  1. Im Sitzen die Wade auf eine Faszienrolle legen, mit den Händen abstützen
  2. Langsam vom Knie abwärts bis kurz oberhalb der Achillessehne rollen
  3. Empfindliche Muskelstellen kurz halten
  4. Die Achillessehne selbst und den Sehnenansatz aussparen – nicht direkt darüberrollen

Lockert die Wadenmuskulatur und verbessert die Durchblutung. Direkter Druck auf die gereizte Sehne würde sie zusätzlich komprimieren – deshalb nur die Muskulatur bearbeiten.

💡 Tipp: Deutlicher, aber kein stechender Schmerz – Tempo und Druck anpassen.

📄 Übungen für zu Hause mitnehmen

Tipps für eine belastbare Achillessehne

So gelingt die Heilung – und der Wiedereinstieg in den Sport

So klappt es im Alltag

  • Lokalisation beachten: Ansatz-Reizung → nur bis Bodenhöhe absenken; Mittelteil → tief unter die Stufe.
  • Schmerz als Ampel: Moderater Sehnenschmerz beim Üben ist okay – am nächsten Morgen darf er nicht schlimmer sein.
  • Belastung steuern statt pausieren: Laufen in reduziertem Umfang ist meist möglich; Umfang und Tempo unter der Reizschwelle halten.
  • Fersenkeil bei Ansatzreizung: Eine leichte Absatzerhöhung im Schuh kann die Sehne vorübergehend entlasten.
  • Auslöser prüfen: Trainingssprünge, neue Schuhe, harte Untergründe und Fußfehlstellungen sind häufige Ursachen.
  • Geduld: Sehnen brauchen 3–6 Monate – Kontinuität schlägt Intensität.

Wenn die Beschwerden bleiben

Bessert sich die Achillodynie trotz sechs bis acht Wochen konsequenten Trainings nicht, klären wir per Ultraschall den Sehnenzustand ab – von der Achillessehnen-Tendinopathie bis zu einem Teilriss. Beim chronischen Verlauf ergänzt die Stoßwellentherapie das Krafttraining. Sitzt Ihr Fersenschmerz unten an der Fußsohle, hilft das Fersensporn-Programm weiter.

Häufige Fragen zu Achillessehnen-Übungen

Antworten auf die wichtigsten Fragen bei Achillodynie

Was ist eine Achillodynie?
Achillodynie ist der Sammelbegriff für die schmerzhafte Reizung der Achillessehne durch Überlastung – meist bei Läufern, aber auch nach ungewohnter Belastung oder bei Fußfehlstellungen. Es handelt sich weniger um eine akute Entzündung als um einen gestörten Umbau des Sehnengewebes (Tendinopathie). Deshalb ist dosierte Belastung durch gezieltes Training wirksamer als reine Schonung. Alles zur Erkrankung: Achillessehne & Achillodynie.
Ansatz oder Mittelteil – warum ist das für die Übungen wichtig?
Das ist die entscheidende Unterscheidung: Bei der Mittelteil-Tendinopathie (Schmerz 2–6 cm oberhalb des Fersenbeins) wird das exzentrische Wadensenken mit der Ferse tief unter die Stufenkante abgesenkt – so wie im klassischen Alfredson-Protokoll. Bei der Ansatztendinopathie (Schmerz direkt am Fersenbein) ist genau dieses tiefe Absenken ungünstig, weil die Sehne dabei gegen den Knochen gedrückt wird – hier senken Sie nur bis Bodenhöhe ab, nicht darunter. Wo Ihre Reizung sitzt, klären wir in der Untersuchung; im Zweifel bleiben Sie bei der schonenderen Variante bis Bodenhöhe.
Wie geht das Alfredson-Protokoll richtig?
Das bewährte Schema: 3 Sätze à 15 Wiederholungen mit gestrecktem Knie, danach 3 Sätze à 15 mit leicht gebeugtem Knie – jeweils langsames Absenken der Ferse (das Anheben übernimmt das gesunde Bein oder beide Beine). Das Ganze zweimal täglich, an sieben Tagen die Woche, über mindestens zwölf Wochen. Wichtig und anfangs ungewohnt: Ein moderater Sehnenschmerz während der Übung ist erlaubt und sogar erwünscht, solange er am nächsten Morgen nicht schlimmer ist.
Wie lange dauert die Heilung einer Achillodynie?
Sehnengewebe passt sich langsam an – planen Sie drei bis sechs Monate konsequentes Training ein, bei hartnäckigen Verläufen auch länger. Erste Besserungen (weniger Anlauf- und Belastungsschmerz) zeigen sich oft nach vier bis sechs Wochen. Das langsame, hochbelastende Krafttraining (exzentrisch oder als „Heavy Slow Resistance") ist der wirksamste Weg; Geduld und Kontinuität sind hier wichtiger als Intensität.
Darf ich mit Achillessehnenschmerzen laufen?
Meist ja – belastungsgesteuert: Solange der Schmerz beim und nach dem Laufen einen moderaten Wert (etwa 3 von 10) nicht überschreitet und am nächsten Morgen nicht schlimmer ist, dürfen Sie in reduziertem Umfang weiterlaufen. Verschlimmert sich der Schmerz nach der Belastung deutlich oder ist die Sehne morgens steifer, reduzieren Sie Umfang und Tempo und weichen Sie auf Rad oder Wasser aus. Komplette Laufpausen sind selten nötig – die Belastung sollte nur unter der Reizschwelle bleiben.
Welche weiteren Behandlungen helfen bei Achillodynie?
Das Krafttraining bleibt die Basis. Beim chronischen Verlauf, der darauf nicht ausreichend anspricht, ist die Stoßwellentherapie eine gut belegte Ergänzung – das Gerät wird dabei nach Lokalisation gewählt: bei der Mittelteil-Tendinopathie meist die radiale, bei der Ansatztendinopathie die fokussierte Stoßwelle. Bei der Ansatztendinopathie kann zusätzlich ein leichter Fersenkeil im Schuh die Sehne vorübergehend entlasten. Von Kortison-Spritzen direkt in die Achillessehne raten wir ab – sie erhöhen das Risiko eines Sehnenrisses. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir per Ultraschall.
Wann sollte ich wegen der Achillessehne einen Orthopäden aufsuchen?
Sofort ärztlich abklären lassen sollten Sie einen plötzlichen, peitschenartigen Schmerz in der Wade mit Kraftverlust beim Abstoßen – das kann ein Achillessehnenriss sein (Notfall). Zeitnah in die Sprechstunde gehören außerdem: Schmerzen, die trotz sechs bis acht Wochen konsequenten Trainings nicht nachlassen, eine tastbare Verdickung oder Delle der Sehne, sowie eine deutliche Schwellung oder Rötung. Details: Achillessehne & Achillodynie.

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