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Orthopädische Vorsorgeuntersuchung für Kinder

Früherkennung von Fehlstellungen der Wirbelsäule, Beine und Füße – zur Unterstützung einer gesunden Entwicklung Ihres Kindes

Was ist eine kinderorthopädische Vorsorgeuntersuchung?

Die regulären Kinderuntersuchungen (U1–U11) bieten eine wichtige Grundlage für die Gesundheitsvorsorge. Augen, Ohren, Zähne und Stoffwechsel werden dabei regelmäßig überprüft – der Bewegungsapparat jedoch bleibt in diesen allgemeinen Screenings weitgehend unberücksichtigt. Eine kinderorthopädische Vorsorgeuntersuchung schließt diese Lücke: Sie dient der gezielten Früherkennung von Fehlstellungen der Wirbelsäule, der Beinachsen und der Füße, die im Wachstumsalter besonders häufig auftreten und bei rechtzeitiger Behandlung gut zu beeinflussen sind.

Derzeit ist – mit Ausnahme des Hüftultraschalls im Rahmen der U3 – keine eigenständige orthopädische Vorsorgeuntersuchung in der gesetzlichen Regelversorgung verankert. Sie wird daher von den Krankenkassen bislang nicht routinemäßig vergütet. Sprechen Sie uns gerne an: Wir beraten Sie individuell, welche Untersuchungen für Ihr Kind sinnvoll sein können.

Was sagt die Wissenschaft?

Aktuelle Erkenntnisse aus dem Deutschen Ärzteblatt und dem Projekt OrthoKids

Kinder zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr durchlaufen entscheidende Wachstumsphasen ihres muskuloskelettalen Systems. In der aktuellen Regelversorgung ist für diese Altersgruppe keine spezifische orthopädische Vorsorgeuntersuchung vorgesehen – viele Fehlstellungen der Wirbelsäule, Beine und Füße bleiben daher bei den üblichen Kinderuntersuchungen unentdeckt.

📋 Studie: OrthoKids – Ergebnisse aus der Praxis

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat sich auf Basis des vom Innovationsfonds geförderten Projekts OrthoKids für eine reguläre orthopädische Vorsorgeuntersuchung für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren ausgesprochen. An dem Screening beteiligten sich rund 300 orthopädische Praxen und knapp 12.000 Kinder.

Die Ergebnisse zeigen: Bei drei von vier untersuchten Fehlstellungen – Skoliose, Beinachsenabweichungen und Knick-Senkfuß – wurden im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung deutlich höhere Prävalenzen gefunden als in der historischen Vergleichsgruppe aus Kassendaten. So wiesen beispielsweise rund sechs Prozent der Kinder mit OrthoKids-Untersuchung eine Skoliose auf – fast sechsmal so viele wie in der Vergleichsgruppe (1,1 %). Bei Beinachsenabweichungen und Knick-Senkfuß waren die Unterschiede noch ausgeprägter.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Screenings liegt laut der Studie in einem international akzeptablen Bereich. Ein unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) bezeichnete die präsentierten Ergebnisse als „bemerkenswert". Ob und wann die orthopädische Vorsorge in die Regelversorgung aufgenommen wird, bleibt dem formalen G-BA-Verfahren vorbehalten.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, November 2025 – „Orthopädische Vorsorgeuntersuchung für Kinder sinnvoll"

Was wird bei einer kinderorthopädischen Vorsorgeuntersuchung untersucht?

Die wichtigsten Untersuchungsbereiche im Überblick

🦴

Wirbelsäule

Die Wirbelsäule wird auf seitliche Verkrümmungen (Skoliose) und Achsabweichungen untersucht. Gerade in der Pubertät können sich Skoliosen rasch verschlimmern.

  • Inspektion der Wirbelsäule im Stand
  • Vorbeugetest (Adams-Test)
  • Messung des Rippenbuckels
  • Beurteilung der Körperhaltung
🦵

Beinachsen

Beinachsenfehlstellungen wie O-Beine oder X-Beine können im Wachstum entstehen und sollten regelmäßig beurteilt werden, um rechtzeitig eingreifen zu können.

  • Beurteilung der Beinachsen im Stand
  • Messung von Knie- und Hüftachsen
  • Beobachtung des Gangbilds
  • Ggf. Beinlängenmessung
🦶

Füße

Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß sind bei Kindern häufig und können bei ausgeprägtem Befund zu Beschwerden am gesamten Bewegungsapparat führen.

  • Beurteilung der Fußstellung
  • Untersuchung von Längs- und Quergewölbe
  • Ganganalyse
  • Beurteilung des Fersenbeinstands
🍼

Hüfte (U3-Screening)

Der Hüftultraschall zur Früherkennung der Hüftdysplasie ist bereits fester Bestandteil der U3 und wird von den Krankenkassen übernommen. Er stellt bislang die einzige regelversorgte orthopädische Vorsorgeuntersuchung dar.

  • Standardmäßig bei der U3 (4.–6. Lebenswoche)
  • Ultraschall beider Hüftgelenke
  • Nachweis oder Ausschluss einer Hüftdysplasie
  • Kassenärztlich abgerechnet

Warum ist Früherkennung so wichtig?

Frühe Diagnose kann die Behandlungsmöglichkeiten in vielen Fällen erweitern

🩺 Vorteile einer frühzeitigen Diagnose

  • Konservative Therapie (z. B. Physiotherapie, Einlagen, Korsett) kann in bestimmten Fällen dazu beitragen, operative Eingriffe zu vermeiden
  • Wachstumsphasen können therapeutisch genutzt werden – Einfluss auf Knochen und Gelenke ist im Kindesalter am größten
  • Frühzeitig erkannte Skoliosen können in vielen Fällen besser konservativ begleitet werden
  • Beinachsenfehlstellungen korrigieren sich im Wachstum oft selbst – das frühzeitige Screening ermöglicht eine gezielte Verlaufskontrolle
  • Eltern erhalten Sicherheit und konkrete Handlungsempfehlungen

Detailinformationen zu einzelnen Erkrankungen

Weiterführende Informationen zu den häufigsten kinderorthopädischen Befunden

Häufige Fragen zur orthopädischen Vorsorgeuntersuchung

Antworten auf die wichtigsten Fragen von Eltern

Was ist eine orthopädische Vorsorgeuntersuchung für Kinder?

Eine kinderorthopädische Vorsorgeuntersuchung ist ein gezieltes Screening zur Früherkennung von Fehlstellungen der Wirbelsäule, der Beinachsen und der Füße. Sie ergänzt die allgemeinen pädiatrischen U-Untersuchungen um eine speziell orthopädische Perspektive, die dort bislang nicht systematisch vorgesehen ist.

Wird die orthopädische Vorsorgeuntersuchung von der Krankenkasse bezahlt?

Derzeit ist – mit Ausnahme des Hüftultraschalls bei der U3 – keine eigenständige orthopädische Vorsorgeuntersuchung in der gesetzlichen Regelversorgung verankert. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hat sich auf Basis des Projekts OrthoKids für eine Aufnahme in die Regelversorgung ausgesprochen. Eine Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) steht noch aus. Bitte sprechen Sie uns an – wir informieren Sie über aktuelle Möglichkeiten.

Ab welchem Alter ist eine orthopädische Vorsorgeuntersuchung sinnvoll?

Besonders empfehlenswert ist ein Screening im Alter zwischen 10 und 14 Jahren, da Kinder in dieser Phase entscheidende Wachstumsphasen des muskuloskelettalen Systems durchlaufen. Auch jüngere Kinder können bei auffälligen Befunden gezielt untersucht werden. Den Hüftultraschall als einzige regelversorgte Maßnahme erhalten Neugeborene bereits bei der U3.

Welche Erkrankungen werden bei der orthopädischen Vorsorge gefunden?

Im Fokus stehen vor allem Skoliose, Beinachsenfehlstellungen (O-Beine, X-Beine), Knick-Senkfuß und Beinlängendifferenzen. Das OrthoKids-Projekt zeigte, dass bei gezieltem Screening deutlich mehr Befunde entdeckt werden als bei der üblichen Versorgung – bei Skoliose etwa fast sechsmal so viele.

Was passiert, wenn bei der Vorsorge eine Fehlstellung festgestellt wird?

Je nach Befund empfehlen wir gezielte Verlaufskontrollen, konservative Maßnahmen wie Physiotherapie oder Einlagen oder – bei ausgeprägten Befunden – weiterführende Diagnostik. Viele Fehlstellungen im Wachstumsalter können durch frühzeitige Therapie in vielen Fällen positiv beeinflusst werden.

Möchten Sie Ihr Kind kinderorthopädisch untersuchen lassen?

Vereinbaren Sie einen Termin in unserer kinderorthopädischen Sprechstunde. Wir beraten Sie individuell, welche Untersuchungen für Ihr Kind sinnvoll sind.