Unterschiedlich lange Beine – wann ist ein Längenunterschied harmlos, wann behandlungsbedürftig?
Eine Beinlängendifferenz (BLD) bedeutet, dass die beiden Beine eines Kindes unterschiedlich lang sind. Dies ist häufiger, als viele vermuten: Nur etwa 10 % der Bevölkerung haben exakt gleich lange Beine. Bei rund 90 % der Menschen besteht ein Längenunterschied von weniger als 1 cm, der in der Regel keine Probleme verursacht.
Klinisch bedeutsam wird eine Beinlängendifferenz typischerweise ab einem Unterschied von etwa 2 cm – dann kann es zu messbaren Gangasymmetrien, einem Beckenschiefstand und bei längerem Verlauf zu Folgebeschwerden an Hüfte, Knie und Wirbelsäule kommen. Eine sorgfältige kinderorthopädische Beurteilung hilft dabei, den Befund einzuordnen und frühzeitig das richtige Vorgehen zu planen.
🏥 Als Ihre Kinderorthopädie im Herzen von Westfalen beraten wir Familien aus Beckum, Ahlen, Oelde, Warendorf, Hamm, Soest und dem gesamten Münsterland zu Beinlängendifferenzen bei Kindern – damit Sie wissen, ob und wann Handlungsbedarf besteht.
Ein wichtiger Unterschied – mit großen Konsequenzen für die Behandlung
Bevor über eine Behandlung nachgedacht wird, muss zunächst geklärt werden, um welche Art von Beinlängendifferenz es sich handelt – denn die Therapie ist grundlegend verschieden.
Hier ist tatsächlich ein Knochen kürzer – entweder der Oberschenkel (Femur) oder das Schienbein (Tibia). Der Unterschied lässt sich klinisch durch Maßbandmessung und bildgebend durch eine Ganzbein-Röntgenaufnahme präzise bestimmen.
Hier sind die Knochen eigentlich gleich lang, aber andere Ursachen lassen ein Bein kürzer erscheinen: ein Beckenschiefstand, Gelenkkontrakturen, übermäßige Pronation eines Fußes oder eine Skoliose. Diese Form erfordert eine andere Therapie.
Wichtig: Eine Schuherhöhung am vermeintlich kürzeren Bein kann bei einer funktionellen BLD sogar kontraproduktiv sein und Beschwerden auf der Gegenseite verursachen. Die genaue Diagnose ist daher der erste und entscheidende Schritt.
Angeboren oder erworben – die Ursache bestimmt den Verlauf
Einige Beinlängendifferenzen sind bereits bei der Geburt angelegt oder entstehen durch eine gestörte vorgeburtliche Entwicklung.
Beinlängendifferenzen können sich auch im Laufe des Wachstums entwickeln – durch Verletzungen, Erkrankungen oder ihre Folgen.
Gut zu wissen: Auch Kinder mit Klumpfuß, der nach der Ponseti-Methode behandelt wurde, können eine messbare Beinlängendifferenz entwickeln – insbesondere bei einseitigem oder wiederkehrendem Befund. Regelmäßige kinderorthopädische Kontrollen helfen, solche Verläufe frühzeitig zu erkennen. Weitere Informationen zum Klumpfuß finden Sie auf unserer Klumpfuß-Seite.
Hinweise, die eine kinderorthopädische Abklärung sinnvoll machen
Kleine Beinlängenunterschiede fallen oft nicht auf und verursachen keine Beschwerden. Bei den folgenden Zeichen empfehlen wir jedoch eine kinderorthopädische Beurteilung – damit eine behandlungsbedürftige Ursache nicht übersehen wird.
Unser Rat: Je früher eine relevante Beinlängendifferenz erkannt wird, desto größer sind die Möglichkeiten, die Behandlung gezielt zu planen – insbesondere wenn das natürliche Wachstum noch genutzt werden kann.
Schrittweise Abklärung für eine fundierte Beurteilung
Ausführliches Gespräch über Zeitpunkt der Auffälligkeit, Gangveränderungen, Schmerzen, frühere Verletzungen oder Erkrankungen, Geburtsverlauf und Familiengeschichte.
Maßbandmessung (Spina iliaca anterior superior bis Innenknöchel), Galeazzi-Test im Liegen, Block-Test im Stehen, Ganganalyse sowie Beurteilung von Gelenkstellung und Körperhaltung.
Bei klinischem Verdacht: Ganzbein-Röntgenaufnahme im Stehen (Telemetrie) zur präzisen Längenmessung und Lokalisation des Unterschieds. Dabei kann auch beurteilt werden, ob gleichzeitig eine Beinachsenfehlstellung wie O- oder X-Beine vorliegt.
Mit speziellen Wachstumsvorhersage-Methoden lässt sich abschätzen, wie groß die Differenz am Ende des Wachstums voraussichtlich sein wird. Diese Information ist entscheidend für die Therapieplanung – vor allem für den richtigen Zeitpunkt eines möglichen Eingriffs.
Schuherhöhung, Kontrolle und Physiotherapie
Nicht jede Beinlängendifferenz muss operiert werden. Viele Fälle lassen sich gut nicht-operativ behandeln oder erfordern zunächst eine abwartende Beobachtung.
Wichtig bei Schuherhöhungen: Bei einer funktionellen Beinlängendifferenz kann eine Erhöhung am falschen Bein sogar kontraproduktiv wirken. Daher ist die genaue diagnostische Klärung vor jeder Maßnahme essenziell.
Moderne Verfahren – vom Wachstumsbremsen bis zur Beinverlängerung
Bei größeren Differenzen oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung. Die Wahl hängt von der Größe der Differenz, dem Alter des Kindes und dem verbleibenden Wachstum ab.
Epiphysiodese (Wachstumsbremsung) ist das häufigste operative Verfahren bei Differenzen zwischen 2 und 5 cm mit noch offenen Wachstumsfugen. Das Wachstum am längeren Bein wird gezielt gebremst, sodass das kürzere aufholen kann. Es handelt sich um einen minimal-invasiven Eingriff mit schneller Rückkehr zur Belastung. Entscheidend ist dabei das richtige Timing – es muss noch ausreichend Wachstum verbleiben, um den Ausgleich zu erreichen.
Beinverlängerung kommt in der Regel bei Differenzen über 5 cm oder bei bereits geschlossenen Wachstumsfugen in Betracht. Der Knochen wird durchtrennt und der entstehende Spalt langsam auseinandergezogen, während neuer Knochen nachwächst. Moderne magnetisch steuerbare Verlängerungsnägel haben diesen Prozess deutlich patientenfreundlicher gemacht als ältere Verfahren mit außen liegenden Metallgestellen.
Unsere Kinderorthopäden Dr. med. Jan Niklas Bröking und Dr. med. Britta Bröking verfügen über klinische und operative Erfahrung in der Beinlängenkorrektur aus ihrer Tätigkeit in der Kinderorthopädie des Universitätsklinikums Münster (UKM). Durch diese fundierte Expertise beurteilen wir Ihren Befund sorgfältig, erkennen Handlungsbedarf frühzeitig und vermitteln Sie bei Bedarf gezielt an spezialisierte Zentren.
Kombinierte Fehlstellungen: Liegt neben der Beinlängendifferenz auch eine Achsenfehlstellung vor – zum Beispiel O-Beine oder X-Beine – können beide Probleme in spezialisierten Zentren in einem kombinierten Verfahren angegangen werden. Wir beraten Sie und vermitteln Sie gezielt dorthin.
Diese aufwendigeren Eingriffe werden an spezialisierten kinderorthopädischen Zentren durchgeführt. Wir begleiten Sie durch den gesamten Prozess und koordinieren die Behandlung.
Was passiert, wenn eine BLD unbehandelt bleibt – und was bei rechtzeitiger Behandlung möglich ist
Nicht jede Beinlängendifferenz muss behandelt werden – viele kleine Unterschiede sind harmlos. Entscheidend ist eine sorgfältige kinderorthopädische Beurteilung, die den Befund einordnet und im Wachstumsverlauf begleitet. Wir empfehlen regelmäßige Verlaufskontrollen, um den richtigen Zeitpunkt für eine ggf. sinnvolle Intervention nicht zu verpassen.
Ihr Ansprechpartner im Herzen von Westfalen
Beinlängendifferenzen sind ein wichtiges Thema in unserer kinderorthopädischen Sprechstunde. In der Orthopädischen Praxis Beckum bieten wir Ihnen eine gründliche Untersuchung und fundierte Beurteilung – von der klinischen Messung bis zur Therapieplanung und Begleitung im Wachstumsverlauf.
Bei behandlungsbedürftigen Befunden begleiten wir Sie als Familie durch den gesamten Prozess und vermitteln Sie bei Bedarf gezielt an spezialisierte kinderorthopädische Zentren für weiterführende Therapiemaßnahmen wie die Epiphysiodese oder Beinverlängerung.
Für Familien aus Beckum, Ahlen, Oelde, Warendorf, Hamm, Soest, Ennigerloh, Wadersloh und dem gesamten Westfalen sind wir Ihr erster Ansprechpartner für alle Fragen rund um Beinlängendifferenzen bei Kindern.
Antworten auf die wichtigsten Fragen von Eltern
Eine Beinlängendifferenz bedeutet, dass ein Bein kürzer ist als das andere. Kleine Unterschiede unter 1 cm sind sehr häufig und meist harmlos. Klinisch bedeutsam wird eine Differenz typischerweise ab etwa 2 cm, wenn Gangasymmetrien oder ein Beckenschiefstand entstehen. Ab 5 cm steigt das Risiko für Skoliose, Rückenprobleme und erhöhte Gelenkbelastung. Eine kinderorthopädische Beurteilung hilft, den Befund einzuordnen.
Bei der echten (anatomischen) Beinlängendifferenz ist tatsächlich ein Knochen kürzer – entweder Oberschenkel oder Schienbein. Bei der funktionellen Form sind die Knochen gleich lang, aber Gelenkstellungen, ein Beckenschiefstand oder eine Skoliose lassen ein Bein kürzer erscheinen. Die Behandlung unterscheidet sich grundlegend: Bei der funktionellen Form wird die Ursache behandelt – eine Schuherhöhung am falschen Bein kann sogar schaden.
Die Ursachen können angeboren (z. B. Hüftdysplasie, Skelettdysplasien, bestimmte Syndrome) oder erworben sein. Erworbene Ursachen umfassen Wachstumsfugenbrüche, entzündliche Erkrankungen wie die juvenile idiopathische Arthritis, Gelenkinfektionen, Tumoren, neurologische Erkrankungen wie Zerebralparese sowie frühere Operationen. Auch nach der Ponseti-Behandlung eines Klumpfußes kann eine Beinlängendifferenz entstehen.
Die Diagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese, die klinische Untersuchung mit Maßbandmessung, Galeazzi-Test, Block-Test und Ganganalyse. Bei klinischem Verdacht auf eine relevante Differenz wird eine Ganzbein-Röntgenaufnahme im Stehen (Telemetrie) angefertigt, die eine präzise Längenmessung und Lokalisation des Unterschieds ermöglicht. Außerdem können Wachstumsvorhersage-Algorithmen helfen, die zu erwartende Differenz am Ende des Wachstums abzuschätzen.
Die Epiphysiodese ist das häufigste operative Verfahren bei Beinlängendifferenzen zwischen 2 und 5 cm bei Kindern, deren Wachstumsfugen noch offen sind. Dabei wird das Wachstum am längeren Bein vorübergehend gebremst, damit das kürzere aufholen kann. Es ist ein minimal-invasiver Eingriff. Entscheidend ist das richtige Timing – es muss noch genug Wachstum verbleiben, um den Ausgleich zu erreichen. Ähnliche Verfahren werden auch bei Beinachsenfehlstellungen wie O- oder X-Beinen eingesetzt.
Bei Differenzen über 5 cm oder wenn die Wachstumsfugen bereits geschlossen sind, kann eine Beinverlängerung notwendig werden. Dabei wird der Knochen durchtrennt und der entstehende Spalt langsam auseinandergezogen, während neuer Knochen nachwächst. Moderne magnetisch steuerbare Verlängerungsnägel haben diesen Prozess deutlich patientenfreundlicher gemacht. Diese Eingriffe werden an spezialisierten kinderorthopädischen Zentren durchgeführt – wir beraten Sie und vermitteln gezielt dorthin.
Ja, bei echten Beinlängendifferenzen bis etwa 2 cm können Schuherhöhungen oder spezielle Einlagen helfen, Gangasymmetrien zu reduzieren und den Beckenschiefstand auszugleichen. Wichtig ist aber: Bei einer funktionellen Beinlängendifferenz kann eine Erhöhung am falschen Bein kontraproduktiv sein. Deshalb muss vor jeder Versorgung die genaue Art der Differenz abgeklärt werden.
In der Orthopädischen Praxis Beckum beraten wir Sie ausführlich zur Diagnostik und Behandlung von Beinlängendifferenzen bei Kindern. Unsere Kinderorthopäden Dr. Jan Niklas Bröking und Dr. Britta Bröking verfügen über klinische und operative Erfahrung aus ihrer Tätigkeit am Universitätsklinikum Münster. Bei behandlungsbedürftigen Befunden vermitteln wir Sie gezielt an spezialisierte Zentren. Für Familien aus Beckum, Ahlen, Oelde, Warendorf, Hamm, Soest und dem gesamten Westfalen sind wir Ihr Ansprechpartner.
Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in unserer kinderorthopädischen Sprechstunde. Wir beurteilen den Befund sorgfältig und besprechen gemeinsam das weitere Vorgehen.