Bursitis trochanterica & Trochanter-Schmerzsyndrom (GTPS)
Schmerzen an der Außenseite der Hüfte – über dem großen Rollhügel (Trochanter major) – gehören zum Trochanter-Schmerzsyndrom (GTPS). Ursache ist meist eine Sehnenreizung der Gluteal-Muskulatur (Gluteus medius/minimus), seltener eine reine Schleimbeutelentzündung. Am wirksamsten sind gezielte Kräftigungsübungen – eine Operation ist selten nötig.
Trochanter-Schmerzsyndrom – was steckt dahinter?
Das Trochanter-Schmerzsyndrom (GTPS) ist die häufigste Ursache für Schmerzen an der Außenseite der Hüfte – über dem großen Rollhügel. Anders als der Name „Bursitis" vermuten lässt, steckt meist keine reine Schleimbeutelentzündung dahinter, sondern eine Sehnenreizung der Gluteal-Muskulatur (Gluteus medius/minimus). In der Orthopädischen Praxis Beckum kann das GTPS fast immer konservativ behandelt werden – am wirksamsten mit gezielter Kräftigung; eine Operation ist selten nötig.
Gluteal-Sehnen-Tendinopathie
Die eigentliche Hauptursache: eine Reizung bzw. degenerative Veränderung der Sehnen des Gluteus medius/minimus an ihrem Ansatz am Trochanter. Sie entsteht meist durch Fehl- und Überlastung, oft bei Abduktoren-Schwäche.
Bursa trochanterica
Der Schleimbeutel über dem Trochanter kann mitgereizt sein und Beschwerden verstärken. Eine isolierte Schleimbeutelentzündung ohne Sehnenbeteiligung ist jedoch selten.
Tractus über dem Trochanter
Der Tractus iliotibialis verläuft über den Trochanter und kann dort reiben – teils mit einem hör-/tastbaren Schnappen („schnappende Hüfte"/Läuferhüfte). Der Tractus kann zusätzlich am Knie Beschwerden machen.
Mehr als „nur ein Schleimbeutel" – und Abgrenzung zum Knie
Die moderne Sichtweise fasst diese Beschwerden als Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS) zusammen. Da meist die Gluteal-Sehnen betroffen sind, steht die Kräftigung im Vordergrund – nicht die alleinige Entzündungshemmung. Macht der Tractus dagegen Schmerzen an der Außenseite des Knies, handelt es sich um das Tractus-iliotibialis-Syndrom („Läuferknie") – dazu unsere Seite ITBS (Läuferknie) →
Ursachen & Risikofaktoren
Abduktoren-Schwäche
- Schwache Hüftabduktoren (Gluteus medius/minimus)
- Instabiles Becken beim Gehen/Laufen
- Fehl- und Überlastung der Sehnenansätze
Statik & Veranlagung
- Beinlängendifferenz, Beckenfehlstatik
- Frauen mittleren Alters häufiger betroffen
- Übergewicht
Überlastung
- Hohe Lauf-/Gehbelastung, Bergablaufen
- Plötzliche Belastungssteigerung
- Reizende Positionen (Beine übereinanderschlagen)
Symptome
Typische Beschwerden
- Druckschmerz direkt über dem Trochanter (Hüftaußenseite)
- Schmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite (nachts)
- Beschwerden beim Treppensteigen und längeren Gehen
- Ausstrahlung in den seitlichen Oberschenkel (nicht über das Knie hinaus)
Verstärkt durch
- Stehen auf einem Bein (Einbeinstand)
- Beine übereinanderschlagen
- Längeres Sitzen mit anschließendem Aufstehen
Wann sollten Sie zeitnah zum Arzt?
Eine baldige Vorstellung ist ratsam bei:
- Fieber mit ausgeprägter Rötung, Überwärmung und Schwellung über dem Trochanter (mögliche eitrige Schleimbeutelentzündung)
- Plötzlicher Kraftlosigkeit/Hinken nach einem Sturz (möglicher Sehnenriss)
- Nächtlichem Ruheschmerz mit ungewolltem Gewichtsverlust
- Ausstrahlung bis unter das Knie mit Taubheit (andere, z. B. Wirbelsäulen-Ursache)
Im Notfall: Notruf 112 oder direkt zur Notfall-Information. Bei weniger bedrohlichen Beschwerden: Online-Termin buchen.
Diagnostik in unserer Praxis
Klinische Untersuchung
Gezielter Druckschmerz über dem Trochanter, Prüfung der Abduktoren gegen Widerstand und der Einbeinstand-Test (Schmerz beim einbeinigen Stehen über ~30 Sekunden) sichern in vielen Fällen die Diagnose.
Ultraschall
Zeigt Sehnenveränderungen der Gluteal-Muskulatur und den Schleimbeutel direkt – strahlungsfrei und schnell verfügbar.
Digitales Röntgen
Bei Bedarf zum Ausschluss knöcherner Ursachen (z. B. Koxarthrose, Verkalkungen).
Behandlung des Trochanter-Schmerzsyndroms
An erster Stelle steht die gezielte Kräftigung der Hüftmuskulatur – sie ist der Injektion langfristig überlegen. Ergänzend kommen Stoßwelle und, kurzfristig, eine Infiltration infrage. Operationen sind selten nötig.
Übungen & Belastungssteuerung
First-line: progressive Kräftigung der Hüftabduktoren (Gluteus medius/minimus) kombiniert mit Anpassung der Belastung im Alltag. Studien zeigen: Übungen sind langfristig wirksamer als eine Kortison-Injektion.
Zu den Übungen →Stoßwellentherapie
Bei chronischer Sehnenreizung am Trochanter kann die fokussierte Stoßwellentherapie Durchblutung und Geweberegeneration anregen – eine wirkungsvolle Ergänzung zum Kräftigungsprogramm.
Zur Stoßwellentherapie →Infiltration (kurzfristig)
Eine gezielte Kortison-Infiltration kann Schmerzen kurzfristig deutlich lindern – als vorübergehende Maßnahme, um die aktive Therapie zu ermöglichen. Zeitlich begrenzt eingesetzt.
Zur konservativen Therapie →Wann ist eine Operation nötig?
Nur selten. Die allermeisten Patienten werden mit einem konsequenten Kräftigungsprogramm, angepasster Belastung und ergänzenden Verfahren beschwerdefrei. Eine Operation kommt vor allem bei einem nachgewiesenen Riss der Gluteal-Sehnen oder bei hartnäckigen, therapieresistenten Beschwerden in Betracht – die Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen und in Kooperation mit spezialisierten Zentren.
Eigentherapie beim Trochanter-Schmerzsyndrom
Die Eigentherapie ist beim GTPS der wichtigste Baustein. Im Mittelpunkt steht die schrittweise Kräftigung der Hüftabduktoren – zunächst mit haltenden (isometrischen), später mit exzentrischen und funktionellen Übungen. Genauso wichtig ist es, reizende Belastungen zu vermeiden: die Beine nicht übereinanderschlagen, nicht dauerhaft auf der schmerzhaften Seite liegen und Belastungsspitzen (langes Bergablaufen) dosieren. Ein Programm über 8–12 Wochen zeigt in den meisten Fällen deutliche Besserung.
Übungsprogramm für zuhause
Gluteus-medius-Kräftigung und Stabilisationsübungen mit bebilderter Anleitung – progressiv aufgebaut, von Niklas Bröking empfohlen.
Zu den Übungen →Alltag & Belastung
Beine nicht übereinanderschlagen, nachts nicht auf der schmerzhaften Seite liegen (Kissen zwischen den Knien in Seitenlage entlastet), Belastung dosiert steigern und langes Bergablaufen anfangs meiden.
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Zur Übersicht →Häufige Fragen zu Bursitis trochanterica & ITB-Syndrom
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