Termin buchen Anfrage stellen Anrufen
Termin buchen Anrufen

Übungen bei Bursitis trochanterica (seitlicher Hüftschmerz)

8 Übungen bei Schleimbeutelentzündung und Sehnenreizung an der Hüft-Außenseite: schmerzlindernder isometrischer Einstieg, progressiver Kraftaufbau, kluge Belastungssteuerung – zum Ausdrucken

Welche Übungen helfen bei Bursitis trochanterica? Der schrittweise Aufbau der seitlichen Hüftmuskulatur – vom schmerzlindernden isometrischen Anspannen bis zur progressiven Kräftigung – kombiniert mit kluger Belastungssteuerung. In Studien ist dieses Vorgehen der Kortison-Spritze langfristig überlegen.

Hinter dem seitlichen Hüftschmerz steckt meist eine Reizung der Gesäßmuskel-Sehnen am Knochenvorsprung (gluteale Tendinopathie) – der Schleimbeutel ist oft nur sekundär beteiligt. Das erklärt den modernen Behandlungsansatz: nicht dehnen, sondern die Sehne langsam belastbarer machen und die täglichen Druckbelastungen reduzieren. Alles zur Erkrankung: Bursitis trochanterica. Sitzt Ihr Schmerz in der Leiste, ist das Hüftgelenks-Programm der richtige Einstieg.

Wichtig – warum hier nicht gedehnt wird: Anders als bei den meisten Beschwerden gehören klassische Tractus- und „Vierer"-Dehnungen nicht ins Programm. Die gereizten Sehnen werden am Knochenvorsprung vom seitlichen Faszienband gegen den Knochen gedrückt – jede Dehnung in Adduktion (Bein zur Körpermitte) erhöht diesen Druck und reizt die Sehne zusätzlich. Deshalb setzen wir konsequent auf Kräftigung und Belastungssteuerung. (Eine Ausnahme ist ein schmerzhaft schnappendes Faszienband über der Hüfte – das ist ein anderes Bild und klären wir individuell.)

Erst abklären, dann üben

Vor Beginn sollte die Ursache des seitlichen Hüftschmerzes ärztlich abgeklärt sein – auch Hüftarthrose, ISG und Lendenwirbelsäule können in die Hüftregion ausstrahlen. Diese Übungen ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Führen Sie alle Übungen schmerzarm durch: Ein leichtes, erträgliches Ziehen ist beim Kräftigen erlaubt und klingt nach der Übung rasch ab – ein Schmerz, der über 24 Stunden anhält, ist ein Zeichen, die Dosis zu senken. Bei Verschlechterung kontaktieren Sie unsere Sprechstunde in Beckum.

Übungsprogramm bei Bursitis trochanterica

8 Übungen nach dem Prinzip anspannen → kräftigen → belasten, immer schmerzarm

1

Isometrische Abduktion in Rückenlage (Einstieg)

⭐ Leicht ⏱️ 10–20 Sek. halten 🔁 3×5, täglich möglich
Ausführung:
  1. Rückenlage, die Beine gestreckt, ein Gürtel oder ein Band um beide Oberschenkel (oberhalb der Knie) gelegt
  2. Beide Beine sanft nach außen gegen den Band-Widerstand drücken – ohne Bewegung
  3. Mit etwa 30–50 % Kraft 10–20 Sekunden halten, ruhig weiteratmen
  4. Langsam lösen

Isometrische Anspannung aktiviert die Gesäßmuskeln, ohne die Sehne am Knochen zu komprimieren – der schmerzlindernde Einstieg, oft schon in der akuten Phase gut machbar.

💡 Tipp: Die Beine bleiben hüftbreit und neutral – nicht spreizen, nur Druck aufbauen.
2

Isometrische Abduktion im Stand an der Wand

⭐ Leicht ⏱️ 10–20 Sek. halten 🔁 3× pro Seite, täglich
Ausführung:
  1. Mit der gesunden Seite seitlich an eine Wand stellen, das wandnahe Knie 90° anheben
  2. Mit dem angehobenen Knie seitlich gegen die Wand drücken – das Standbein (die betroffene Hüfte) hält dagegen
  3. 10–20 Sekunden halten, dabei das Becken gerade und stabil lassen
  4. Lösen und wiederholen

Trainiert die Abduktoren der Standbein-Seite unter Alltagsbedingung (Einbein-Belastung) – ohne komprimierende Bewegung, dafür mit direktem Bezug zum Gehen.

💡 Tipp: Das Standbein-Knie leicht gebeugt lassen und das Becken waagerecht halten – nicht in die Hüfte hängen.
3

Muschel (Clamshell)

⭐⭐ Mittel ⏱️ 2 Sek. halten 🔁 3×12 pro Seite, jeden 2. Tag
Ausführung:
  1. Seitenlage, die Beine angewinkelt (Hüfte ca. 45°, Knie 90°), die Füße bleiben aufeinander
  2. Das obere Knie wie eine Muschel öffnen – nur so weit, wie das Becken stabil bleibt
  3. 2 Sekunden halten, langsam schließen
  4. Das Becken kippt nicht nach hinten – die Bewegung kommt allein aus der Hüfte

Kräftigt die seitlichen Gesäßmuskeln in geringer, kontrollierter Bewegung – die Grundübung des Sehnenaufbaus, ohne den Trochanter zu belasten.

💡 Tipp: Auf der betroffenen Seite liegend anfangs unangenehm? Dann mit der betroffenen Seite oben beginnen.
4

Seitlich liegendes Beinheben (betroffene Seite oben)

⭐⭐ Mittel ⏱️ 2 Sek. halten 🔁 3×12, jeden 2. Tag
Ausführung:
  1. Seitenlage auf der gesunden Seite, ein Kissen unter der Taille für eine gerade Wirbelsäule
  2. Das obere (betroffene) Bein gestreckt anheben – die Fußspitze zeigt leicht nach vorne, nicht zur Decke
  3. Nur bis knapp über die Waagerechte heben, 2 Sekunden halten
  4. Langsam absenken, ohne das Bein ganz abzulegen (nicht in die Adduktion sinken)

Kräftigt die Abduktoren durch den vollen Bewegungsbereich nach oben – bewusst ohne Absenken unter die Körperlinie, weil dort die schädliche Kompression beginnt.

💡 Tipp: Kein Schwung – das Anheben langsam, das Absenken noch langsamer. Das Becken bleibt ruhig.
5

Brücke mit Band um die Knie

⭐⭐ Mittel ⏱️ 5 Sek. halten 🔁 3×12, jeden 2. Tag
Ausführung:
  1. Rückenlage, die Beine angewinkelt, ein Band um die Knie
  2. Die Knie leicht nach außen gegen das Band drücken und diese Spannung halten
  3. Das Becken anheben, bis Oberschenkel und Rumpf eine Linie bilden
  4. 5 Sekunden halten – die Knie bleiben auf Bandspannung –, langsam abrollen

Kombiniert die Kräftigung des großen Gesäßmuskels (Hüftstreckung) mit der aktiven Abduktion gegen das Band – doppelter Reiz für die stabilisierende Hüftmuskulatur.

💡 Tipp: Die Knie dürfen während der ganzen Übung nicht nach innen fallen – das Band gibt die Richtung vor.
6

Hüftabduktion im Stand gegen das Band

⭐⭐ Mittel ⏱️ 2 Sek. halten 🔁 3×12 pro Seite, jeden 2. Tag
Ausführung:
  1. Ein Band um beide Fußgelenke legen, aufrecht neben einer Stuhllehne stehen
  2. Das äußere Bein gestreckt langsam zur Seite abspreizen – gegen den Bandwiderstand
  3. 2 Sekunden halten, langsam und kontrolliert zurückführen
  4. Der Oberkörper bleibt aufrecht und neigt sich nicht zur Gegenseite

Die Steigerung im Stand: Abduktoren-Kräftigung mit zunehmendem Widerstand – trainiert zugleich das Standbein, das die Hüfte stabil halten muss.

💡 Tipp: Bandstärke so wählen, dass die letzten Wiederholungen fordern, aber sauber und schmerzarm bleiben.
7

Einbeinstand mit Beckenkontrolle

⭐⭐ Mittel ⏱️ 20–30 Sek. pro Seite 🔁 3× pro Seite, täglich
Ausführung:
  1. Auf das betroffene Bein stellen, bei Bedarf mit Fingerspitzen-Halt
  2. Das Becken bewusst waagerecht halten – die Hüfte der Spielbein-Seite darf nicht absinken
  3. 20–30 Sekunden halten, ruhig atmen
  4. Zur Kontrolle die Hände auf beide Beckenkämme legen: Sie sollen auf gleicher Höhe bleiben

Trainiert die Abduktoren in ihrer wichtigsten Alltagsaufgabe: das Becken beim Gehen stabil zu halten. Ein Absinken der Gegenseite (Trendelenburg-Zeichen) verrät die Schwäche, die es zu beheben gilt.

💡 Tipp: Vor dem Spiegel üben – das Becken gerade zu halten ist der eigentliche Trainingsreiz, nicht das bloße Stehen.
8

Seitlicher Step-up

⭐⭐⭐ Anspruchsvoll ⏱️ langsam 🔁 3×8 pro Bein, jeden 2. Tag
Ausführung:
  1. Seitlich neben eine niedrige Stufe stellen, das betroffene Bein steht auf der Stufe
  2. Über das Stufenbein langsam hochdrücken, bis das andere Bein frei neben der Stufe schwebt – Becken waagerecht
  3. Betont langsam wieder absenken, das Becken bleibt die ganze Zeit stabil
  4. Bei Bedarf am Geländer sichern

Die funktionelle Endstufe: kräftigt die Abduktoren unter vollem Körpergewicht in einer alltagsnahen Bewegung – erst einsetzen, wenn Übung 3–7 sicher und schmerzarm gelingen.

💡 Tipp: Niedrige Stufe wählen und auf das Becken achten – kippt es zur Seite, ist die Stufe noch zu hoch.

📄 Übungen für zu Hause mitnehmen

Belastung richtig steuern – der zweite Schlüssel

Neben dem Training entscheidet der Alltag über den Heilungserfolg

Kompression vermeiden – so entlasten Sie die Sehne

  • Nicht auf der schmerzhaften Seite schlafen; in Seitenlage ein Kissen zwischen die Knie legen, damit das obere Bein nicht nach innen fällt.
  • Beine nicht übereinanderschlagen und nicht mit über die Mittellinie gekreuzten Beinen sitzen.
  • Nicht „in die Hüfte hängen": Im Stehen das Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verteilen statt auf einer Hüfte abzustützen.
  • Sitzhöhe erhöhen: Tiefe Sitze verstärken die Hüftbeugung und den Druck – höher und mit leicht geöffneten Knien sitzen.
  • Bergauf und Treppen dosieren: Diese Belastungen fordern die Sehne stark – schmerzadaptiert steigern.
  • Geduld: Sehnen brauchen 8–12 Wochen – ein erträgliches Ziehen ist okay, anhaltender Schmerz das Signal zum Reduzieren.

Wenn die Beschwerden bleiben

Bessert sich der seitliche Hüftschmerz trotz acht Wochen konsequenten Übens und Belastungssteuerung nicht, klären wir per Ultraschall den Zustand der Sehnen ab – von der Bursitis trochanterica bis zu einem möglichen Sehnenriss. Beim chronischen Verlauf kann die Stoßwellentherapie das Training ergänzen. Sitzt der Schmerz eigentlich in der Leiste, hilft das Hüftgelenks-Programm weiter.

Häufige Fragen zu Übungen bei Bursitis trochanterica

Antworten auf die wichtigsten Fragen bei seitlichem Hüftschmerz

Was ist eine Bursitis trochanterica wirklich?
Lange galt der seitliche Hüftschmerz als reine Schleimbeutelentzündung (Bursitis). Heute weiß man: Meist steckt eine Reizung der Sehnenansätze der seitlichen Gesäßmuskeln (Gluteus medius und minimus) am Knochenvorsprung der Hüfte dahinter – eine gluteale Tendinopathie. Der Schleimbeutel ist oft nur sekundär mitgereizt. Das ist mehr als eine Wortklauberei: Es erklärt, warum Kräftigung hier hilft und Dehnen eher schadet. Hintergründe: Bursitis trochanterica.
Warum soll ich bei diesem Hüftschmerz nicht dehnen?
Das überrascht viele – die Erklärung ist aber gut belegt: Die gereizten Sehnen werden am Knochenvorsprung vom darüber verlaufenden Tractus (dem seitlichen Faszienband) gegen den Knochen gedrückt. Jede klassische Tractus- oder „Vierer"-Dehnung bringt die Hüfte in Adduktion (das Bein Richtung Körpermitte) – und genau dabei steigt dieser Anpressdruck stark an. Statt zu „lockern", presst die Dehnung die entzündete Sehne also noch fester gegen den Knochen. Zudem gibt es keinen Beleg, dass der Tractus bei diesen Beschwerden überhaupt verkürzt ist. Deshalb setzt dieses Programm auf Kräftigung und Belastungssteuerung statt auf Dehnung.
Schmerzen beim Liegen auf der Seite – was hilft nachts?
Das ist das Leitsymptom – und mit ein paar Kniffen deutlich besserbar: Legen Sie sich möglichst nicht auf die schmerzhafte Seite. In Seitenlage auf der gesunden Seite gehört ein Kissen zwischen die Knie, damit das obere Bein nicht nach innen fällt (Adduktion = Druck auf die Sehne). In Rückenlage kann ein flaches Kissen unter dem Knie entlasten. Vermeiden Sie tagsüber das „In-die-Hüfte-Hängen" beim Stehen und das Übereinanderschlagen der Beine.
Kortisonspritze oder Übungen – was ist besser?
Kurzfristig lindert eine Kortisonspritze oft rasch – doch langfristig sind Übungen plus Belastungsberatung überlegen: In einer großen randomisierten Studie waren Betroffene nach einem strukturierten Übungs- und Aufklärungsprogramm nach einem Jahr deutlich häufiger beschwerdefrei als nach einer Kortisonspritze oder reinem Abwarten. Die Spritze bleibt eine Option, um einen sehr schmerzhaften Reizzustand kurzfristig zu durchbrechen und das Üben überhaupt zu ermöglichen – als alleinige Behandlung ist sie aber nicht die beste Wahl.
Wie oft soll ich üben – und wann wirkt es?
Die isometrischen Übungen (1–2) dürfen täglich, bei Schmerz auch mehrmals täglich durchgeführt werden – sie wirken oft direkt lindernd. Die progressiven Kräftigungsübungen (3–8) jeden zweiten Tag mit je 2–3 Sätzen. Wichtig ist Geduld: Sehnengewebe passt sich langsam an, deutliche Verbesserungen zeigen sich meist nach acht bis zwölf Wochen. Ein leichtes, erträgliches Ziehen während und kurz nach der Übung ist in Ordnung – hält der Schmerz über 24 Stunden an, war die Dosis zu hoch.
Hilft eine Stoßwellentherapie bei Bursitis trochanterica?
Beim chronischen Verlauf, der auf Übungen allein nicht ausreichend anspricht, kann die Stoßwellentherapie als Ergänzung sinnvoll sein – sie regt die Heilung am Sehnenansatz an, die Studienlage zeigt hier moderaten Nutzen. Die Basis bleibt aber das Kräftigungsprogramm mit Belastungssteuerung; die Stoßwelle ersetzt es nicht, sondern unterstützt es.
Wann sollte ich wegen des seitlichen Hüftschmerzes einen Orthopäden aufsuchen?
Zeitnah abklären lassen sollten Sie: Schmerzen, die trotz sechs bis acht Wochen konsequenten Übens nicht nachlassen, plötzlichen Kraftverlust beim Gehen oder ein deutliches Hinken (möglicher Sehnenriss), Schmerzen nach einem Sturz sowie Fieber mit Überwärmung (Infektzeichen). Sitzt der Schmerz eigentlich in der Leiste, ist unser Hüftgelenks-Programm passender; tief im Gesäß mit Beinausstrahlung eher das Piriformis-Syndrom oder ISG.

Wir sind für Sie da – sprechen Sie uns an!

Ob Terminbuchung, Rückfragen zu Behandlungen oder eine erste Einschätzung – wir freuen uns auf Ihren Kontakt. Wählen Sie den Weg, der für Sie am besten passt.

Ihre Meinung ist uns wichtig

Ihre Erfahrung hilft anderen Patienten bei der Entscheidung. Teilen Sie Ihre Meinung auf Google!

Bewertung schreiben ↗