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Übungen bei Skoliose
Gezielte Kräftigungs-, Mobilisations- und Atemübungen bei Wirbelsäulenverkrümmung – als täglicher Eigenübungs-Baustein, einfach erklärt und zum Ausdrucken
Helfen Übungen bei Skoliose? Ja – als aktiver Baustein: Eigenübungen kräftigen die Rumpfmuskulatur, mobilisieren die Wirbelsäule und schulen Haltung und Atmung. Am wirksamsten ist die skoliose-spezifische Übungstherapie (PSSE); ihr bekanntestes Konzept ist die Schroth-Methode mit dreidimensionalen Korrektur- und Atemübungen, individuell auf die Kurvenform abgestimmt. Eigenübungen sind der Teil, den Ihr Kind selbst in der Hand hat – täglich und eigenverantwortlich, ab jeder festgestellten Skoliose (ab 10°).
Ehrlich eingeordnet: Übungen unterstützen Haltung, Rumpfkraft und Atmung und können – vor allem als angeleitete PSSE – helfen, ein Fortschreiten zu bremsen. Eine alleinige Physiotherapie bessert den Krümmungswinkel (Cobb-Winkel) in der Regel jedoch nicht dauerhaft und „begradigt" die Wirbelsäule nicht; sie ersetzt weder die ärztliche Verlaufskontrolle noch – ab einem gewissen Ausmaß – ein Korsett. Alles zu Diagnostik und Behandlung: Skoliose bei Kindern und Jugendlichen.
Erst abklären, dann üben – besonders die Seitenwahl
Vor Beginn ist eine ärztliche Untersuchung und individuelle Beratung zur Skoliose erforderlich. Skoliose-Übungen sind asymmetrisch – welche Seite gedehnt und welche gekräftigt wird, richtet sich nach der individuellen Kurvenform und sollte ärztlich bzw. physiotherapeutisch festgelegt werden (betrifft die Übungen 1, 4 und 6). Diese Übungen ersetzen keine ärztliche Behandlung. Führen Sie alle Übungen nur schmerzfrei durch; bei Schmerzen oder Verschlechterung abbrechen und unsere Sprechstunde in Beckum kontaktieren.
Übungsprogramm bei Skoliose
8 Übungen – täglich, die seitenbetonten Übungen nach ärztlicher Festlegung, immer schmerzfrei
Aktive Selbst-Aufrichtung (axiale Elongation)
- Aufrecht sitzen oder stehen, den Scheitel bewusst zur Decke „wachsen" lassen
- Die Wirbelsäule aktiv in die Länge ziehen, ohne ins Hohlkreuz zu gehen
- Die Schultern locker nach hinten-unten, der Nacken bleibt lang
- 5–10 Sekunden halten, ruhig weiteratmen, dann lösen
Die aktive Aufrichtung ist das Grundprinzip jeder skoliose-spezifischen Therapie – sie schafft Länge und ist die Basis für alle folgenden Korrekturübungen.
Seitliche Rumpfdehnung (verkürzte Flanke)
- Aufrechter Stand, die Füße hüftbreit
- Zur Seite neigen, sodass die eingezogene (konkave) Flanke gedehnt wird – die Seite nach ärztlicher Vorgabe
- Den Arm der zu dehnenden Seite über den Kopf strecken
- Die Dehnung in der verkürzten Flanke spüren, 15–20 Sekunden halten
Öffnet die auf der Konkavseite verkürzte Rumpfmuskulatur – eine der wichtigsten korrigierenden Übungen, aber nur seitenrichtig ausgeführt sinnvoll.
Rumpfrotation im Vierfüßlerstand
- Vierfüßlerstand, die Hände unter den Schultern
- Eine Hand hinter den Kopf legen
- Den Ellenbogen zunächst zur Gegenseite unter den Körper führen
- Dann öffnend zur Decke drehen – der Blick folgt dem Ellenbogen, langsam und kontrolliert
Mobilisiert die Brustwirbelsäule in der Drehung – die Rotation ist neben der Seitverbiegung das zweite Kennzeichen der Skoliose.
Seitlicher Unterarmstütz (schwache Seite kräftigen)
- Seitlage, auf den Unterarm stützen – der Ellenbogen unter der Schulter
- Das Becken anheben, bis Kopf, Rumpf und Beine eine gerade Linie bilden
- Den oberen Arm in die Hüfte stützen oder zur Decke strecken
- 20–30 Sekunden halten – betont auf der schwächeren Seite nach ärztlicher Vorgabe
Kräftigt gezielt die seitliche Rumpfmuskulatur der schwächeren Körperseite – ein zentrales Element der asymmetrischen Skoliose-Kräftigung.
Vierfüßler diagonal (Bird Dog)
- Vierfüßlerstand, der Rücken gerade wie ein Tisch
- Den rechten Arm nach vorne und das linke Bein nach hinten ausstrecken – beide waagerecht
- Rumpf und Becken bleiben ruhig, kein Hohlkreuz, kein Verdrehen
- 5–10 Sekunden halten, langsam zurück, dann die Gegenseite
Kräftigt die tiefe, aufrichtende Rumpfmuskulatur symmetrisch – die stabile Basis, auf der die seitenbetonten Korrekturübungen wirken.
Rotationsatmung zur Rippenmobilisation
- Bequem sitzen oder in Seitenlage, eine Hand auf die eingezogene Brustkorbseite legen
- Bewusst tief in die eingeschränkte Seite des Brustkorbs einatmen – gezielt „gegen die Hand"
- Versuchen, die Rippen dort zu weiten
- Langsam ausatmen, 5–10 tiefe Atemzüge
Die gezielte Atemlenkung ist das Herzstück der Schroth-Methode: Sie mobilisiert den auf der Konkavseite eingeengten Brustkorb von innen und wirkt dem Rippenbuckel entgegen.
Rückenstreckung in Bauchlage (Superman)
- Bauchlage, die Arme nach vorne gestreckt, die Stirn Richtung Boden
- Arme, Oberkörper und Beine gleichzeitig ein Stück anheben
- Die Körperspannung halten, der Nacken bleibt lang
- 5–10 Sekunden halten, langsam absenken
Kräftigt die gesamte aufrichtende Rückenmuskulatur – die Gegenspieler zur Vorneige, wichtig für die dauerhafte Haltungskontrolle.
Aufrichtung an der Wand
- Mit dem Rücken zur Wand stellen – Fersen, Gesäß, oberer Rücken und möglichst der Hinterkopf berühren die Wand
- Die Arme angewinkelt an die Wand legen (Ellenbogen und Handrücken)
- Die Arme langsam nach oben über den Kopf schieben, den Wandkontakt halten
- Wieder zurück – der untere Rücken bleibt möglichst nah an der Wand
Schult die aufrechte Gesamthaltung mit Rückmeldung durch die Wand – ideal als Abschluss, um das Gefühl für die aufgerichtete Position zu verankern.
📄 Übungen für zu Hause mitnehmen
Tipps für ein wirksames Skoliose-Training
So wird aus den Übungen eine dauerhafte Gewohnheit
So klappt es im Alltag
- Seitenwahl zuerst klären: Dehn- und Kräftigungsseite ärztlich/physiotherapeutisch festlegen lassen – falsch herum schadet mehr, als es nutzt.
- Täglich statt selten: 15–20 Minuten jeden Tag wirken besser als lange Einheiten am Wochenende.
- Angeleitet lernen, zu Hause üben: Die PSSE/Schroth-Technik bei geschulten Physiotherapeuten lernen und dann eigenständig fortführen.
- Während des Korsett-Tragens weiterüben: Die Muskulatur muss aktiv bleiben, damit die Korrektur nach der Korsettzeit hält.
- Haltung im Alltag: Langes gebeugtes Sitzen vermeiden, Bildschirm und Arbeitsplatz aufrecht einrichten, aktive Selbst-Aufrichtung (Übung 1) einstreuen.
- Verlaufskontrolle ernst nehmen: Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind bei noch offenem Wachstum entscheidend.
Übungen sind ein Baustein – kein Ersatz
Eigenübungen sind der aktive Teil der Skoliose-Behandlung, den Ihr Kind selbst steuern kann. Wie stark eine Skoliose ist, ob sie fortschreitet und ob ein Korsett nötig wird, klären wir über die regelmäßige Verlaufskontrolle. Alles zu Diagnostik, Schweregraden und Behandlung lesen Sie auf Skoliose bei Kindern und Jugendlichen. Geht es eher um einen runden Rücken (Hyperkyphose) als um eine seitliche Verkrümmung, hilft das BWS-Aufrichtungsprogramm weiter.
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Mehr erfahren →Häufige Fragen zu Skoliose-Übungen
Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Übungstherapie bei Skoliose
Wie oft sollen die Skoliose-Übungen gemacht werden?
Können Übungen allein eine Skoliose behandeln?
Was ist die Schroth-Methode und wie unterscheidet sie sich von normalen Rückenübungen?
Warum wird nur zu einer Seite geneigt und gedehnt?
Müssen die Übungen auch während einer Korsettbehandlung gemacht werden?
Skoliose und Krafttraining oder Fitnessstudio – was ist zu beachten?
Gelten die Übungen auch für Erwachsene und Senioren?
Wann sollte ich wegen der Skoliose einen Spezialisten aufsuchen?
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