Tennisellenbogen (Epicondylitis lateralis)
Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens – beim Zugreifen, Heben oder Strecken des Handgelenks? Der Tennisellenbogen ist eine Überlastungsreaktion der Unterarm-Streckmuskeln am äußeren Ellenbogen. Am wirksamsten ist ein gezieltes Übungsprogramm; die meisten Verläufe heilen ohne Operation aus.
Was ist ein Tennisellenbogen?
Der Tennisellenbogen (Epicondylitis lateralis) ist eine Überlastungsreaktion am Sehnenansatz der Unterarm-Streckmuskeln an der Außenseite des Ellenbogens. Typisch ist ein belastungsabhängiger Schmerz beim Zugreifen, Heben und Strecken des Handgelenks. In der Orthopädischen Praxis Beckum kann er fast immer konservativ behandelt werden – am wirksamsten mit einem gezielten Kräftigungsprogramm; eine Operation ist nur selten nötig.
Am äußeren Ellenbogenknochen (Epicondylus lateralis) entspringen die Muskeln, die Hand und Finger strecken. Durch wiederholte Belastung entstehen am Sehnenansatz feine Mikroschäden, die nicht ausreichend ausheilen – es kommt zu einer schmerzhaften Umbaustörung des Sehnengewebes (Tendinopathie), weniger zu einer klassischen Entzündung.
Verlauf & Prognose: Der Tennisellenbogen ist überwiegend selbstlimitierend: In mehr als 80 % der Fälle bessern sich die Beschwerden innerhalb von zwölf Monaten von selbst, in Einzelfällen kann es bis zu zwei Jahre dauern. Mit konsequenter Übungstherapie lässt sich dieser Verlauf meist verkürzen. Bleibt die auslösende Belastung bestehen, kann er hartnäckig werden – deshalb sind Belastungsanpassung und aktives Training entscheidend.
Muss man Tennis spielen? – Nein
Der Name täuscht: Die meisten Betroffenen spielen kein Tennis. Häufige Auslöser sind wiederholte Hand- und Greifbelastungen im Beruf und Alltag – Computerarbeit (Maus/Tastatur), Handwerk, Heben und Tragen. Das mediale Gegenstück am inneren Ellenbogen ist der Golferellenbogen (Epicondylitis medialis) – dazu mehr auf unserer Seite zum Golferellenbogen.
Ursachen & Risikofaktoren
Beruf & Alltag
- Computerarbeit (Maus, Tastatur)
- Handwerkliche und industrielle Tätigkeiten
- Wiederholtes Greifen, Heben und Tragen
Sport & Überlastung
- Schläger- und Wurfsportarten, Krafttraining
- Zu schnelle Steigerung von Umfang/Intensität
- Technikfehler, ungeeignetes Material
Weitere Faktoren
- Alter vor allem 40 bis 60 Jahre (Häufung 45–54)
- Rauchen und Übergewicht
- Frühere, nicht vollständig ausgeheilte Beschwerden
Symptome
Typische Beschwerden
- Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens
- Ausstrahlung in den Unterarm
- Schmerz beim Zugreifen, Heben, Händeschütteln
- Druckschmerz direkt über dem äußeren Ellenbogenknochen
Wann es sich verstärkt
- Bei Streckung des Handgelenks gegen Widerstand
- Beim Halten oder Anheben von Gegenständen (z. B. Tasse)
- Kraftverlust im Griff durch Schmerz
Wann sollten Sie zeitnah zum Arzt?
Eine baldige Vorstellung ist ratsam bei:
- Rötung, Überwärmung, Schwellung oder Fieber (Infekt oder entzündlich-rheumatische Ursache)
- Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust in Hand/Fingern (mögliche Nervenkompression)
- Starken Schmerzen nach einem akuten Trauma mit Funktionsverlust
- Nächtlichem Ruheschmerz ohne Belastungsbezug
Im Notfall: Notruf 112 oder direkt zur Notfall-Information. Bei weniger bedrohlichen Beschwerden: Online-Termin buchen.
Diagnostik in unserer Praxis
Klinische Untersuchung
Der Druckschmerz über dem äußeren Ellenbogenknochen und gezielte Provokationstests (u. a. Thomsen-Zeichen und Chair-Test) sichern in vielen Fällen die Diagnose. Zugleich prüfen wir die Beweglichkeit und die Kraft.
Ultraschall
Stellt Veränderungen des Sehnenansatzes (Verdickung, vermehrte Durchblutung, kleine Einrisse) dar – strahlungsfrei und dynamisch beurteilbar.
Abgrenzung & Röntgen
Wir grenzen andere Ursachen von Außen-Ellenbogenschmerzen ab – z. B. eine Nervenengstelle (Radialtunnel), eine Nervenreizung aus der Halswirbelsäule oder eine Ellenbogenarthrose. Ein Röntgen dient bei Bedarf dem Ausschluss knöcherner Ursachen.
Behandlung des Tennisellenbogens
An erster Stelle steht ein gezieltes Übungsprogramm mit Belastungsanpassung. Ergänzend kommt die Stoßwellentherapie infrage. Von einer Kortisonspritze raten wir eher ab; Operationen sind selten nötig.
Übungen & Belastungssteuerung
First-line: progressiv gesteigertes Krafttraining der Unterarmstrecker – im Zentrum das exzentrische Training – kombiniert mit Dehnung und Anpassung der auslösenden Belastung.
Zu den Tennisarm-Übungen →Stoßwellentherapie
Beim chronischen Tennisellenbogen gut belegt: In Studien lindert sie Schmerzen und verbessert die Funktion – der Kortisonspritze mittelfristig (nach 3 bis 6 Monaten) überlegen. Wir setzen sie gezielt ergänzend zum Übungsprogramm ein.
Zur Stoßwellentherapie →Weitere Maßnahmen
Belastungsanpassung und Ergonomie; eine Epicondylitis-Spange kann zur Entlastung im Alltag erwogen werden. Eine Kortisonspritze lindert kurzfristig, verschlechtert aber die Langzeitergebnisse – wir setzen sie sehr zurückhaltend ein.
Zur konservativen Therapie →Wann ist eine Operation nötig?
Nur selten. Die allermeisten Verläufe heilen konservativ aus – in mehr als 80 % der Fälle bessern sich die Beschwerden innerhalb von zwölf Monaten von selbst. Eine Operation kommt erst infrage, wenn die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie über mindestens sechs Monate bestehen bleiben und ein struktureller Befund vorliegt. Weil sich viele Beschwerden von selbst bessern und ein Eingriff Risiken birgt (in etwa 5–20 % kein zufriedenstellendes Ergebnis), stellen wir die Indikation streng und entscheiden gemeinsam mit Ihnen.
Eigentherapie beim Tennisellenbogen
Die Eigenübungen sind der entscheidende Baustein. Im Mittelpunkt steht das exzentrische Krafttraining der Unterarmstrecker (die Muskulatur bremst die Bewegung langsam ab), ergänzt durch Dehnung von Streckern und Beugern. Ebenso wichtig ist die Belastungsanpassung: auslösende Tätigkeiten vorübergehend reduzieren, Pausen einbauen und Bewegungen ergonomisch gestalten (z. B. Maus/Tastatur, Griffe, Hebetechnik). Üben Sie schmerzarm und regelmäßig – ein leichtes, tolerierbares Ziehen ist erlaubt, scharfer Schmerz nicht.
Übungsprogramm für zuhause
Exzentrische Kräftigung und Dehnung für den Unterarm mit bebilderter Anleitung – strukturiertes Heimprogramm, von Niklas Bröking empfohlen.
Zu den Tennisarm-Übungen →Alltag & Ergonomie
Maus und Tastatur ergonomisch einstellen, Griffe verdicken, schweres Heben und Dauergreifen dosieren, regelmäßige Pausen einlegen. Eine Unterarm-Spange kann die Sehne bei belastenden Tätigkeiten entlasten.
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Zu den Übungen →Alle Erkrankungen
Übersicht aller Erkrankungen und Körperregionen, die wir in unserer Praxis behandeln.
Zur Übersicht →Häufige Fragen zum Tennisellenbogen
Antworten für Patienten in Beckum und Umgebung
Was ist ein Tennisellenbogen?
Muss man Tennis spielen, um einen Tennisellenbogen zu bekommen?
Welche Übungen helfen beim Tennisellenbogen?
Hilft die Stoßwellentherapie beim Tennisellenbogen?
Sind eine Kortisonspritze oder eine Bandage sinnvoll?
Wie lange dauert es – und wann ist eine Operation nötig?
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