Knick-Senk-Fuß (Pes planovalgus) bei Kindern
Häufig und meist harmlos – ab wann er normal ist, welche Fußübungen helfen und wann eine kinderorthopädische Abklärung sinnvoll ist
Was ist ein Knick-Senk-Fuß?
Der Knick-Senk-Fuß (Pes planovalgus, umgangssprachlich Plattfuß) ist bei Kindern sehr häufig und bis etwa zum 6. Lebensjahr fast immer eine normale, schmerzlose Entwicklungsstufe, die sich im Wachstum von selbst aufrichtet. Behandlungsbedürftig ist er nur bei Schmerzen oder einem steifen Fuß – dann stehen Fußübungen und Barfußlaufen im Vordergrund, Einlagen nur bei Beschwerden. Bevor ein Knick-Senk-Fuß jedoch als harmlos eingestuft werden kann, sollte er einmal kinderorthopädisch untersucht werden.
Beim Knick-Senk-Fuß kippt die Ferse nach außen (Valgus) und das innere Fußlängsgewölbe ist abgeflacht. Man unterscheidet den flexiblen Knick-Senk-Fuß, bei dem sich das Gewölbe im Zehenstand aufrichtet (kompensiert), vom steifen (kontrakten/rigiden) Knick-Senk-Fuß, bei dem die Aufrichtung ausbleibt. Der flexible, schmerzlose Knick-Senk-Fuß ohne neurologische oder syndromale Erkrankung ist der Normalzustand im Kindesalter.
Nahezu alle Kinder kommen mit einem flachen Fuß zur Welt; ein Fettpolster unter der Sohle (Spitzy-Fettpolster) verstärkt den Eindruck zusätzlich. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt sich das Fußlängsgewölbe allmählich auszubilden – ein scheinbarer „Plattfuß" beim Kleinkind ist also keine Fehlstellung, sondern eine Entwicklungsstufe.
Ab wann ist er normal – und bis wann?
Bis etwa zum 6. Lebensjahr ist der flexible Knick-Senk-Fuß fast ausschließlich physiologisch (er kommt bei rund 97 % der etwa 19 Monate alten Kinder vor). Das Fußlängsgewölbe richtet sich bis etwa zum 10. Lebensjahr zunehmend auf. Nur bei rund 4 % der 10-Jährigen bleibt die Fußform bestehen, und nur wenige Kinder (unter 2 %) entwickeln Beschwerden. Übergewicht ist ein Risikofaktor dafür, dass ein Knick-Senk-Fuß bestehen bleibt.
Fußentwicklung nach Altersgruppen
Wie sich das Fußgewölbe im Laufe des Wachstums entwickelt
Säugling & Lauflernalter
(0–2 Jahre)
Alle Säuglinge kommen mit einem flachen Fuß und einer natürlichen Knickfußhaltung auf die Welt. Das Fettpolster unter der Sohle lässt den Fuß zusätzlich platt erscheinen. Ein Knick-Senk-Fuß ist in diesem Alter vollkommen normal und kein Grund zur Sorge.
Kleinkindalter
(2–6 Jahre)
Das Fußlängsgewölbe bildet sich zunehmend aus. Der flexible Knick-Senk-Fuß ist in diesem Alter fast ausschließlich physiologisch – rund 97 % der etwa 19 Monate alten Kinder zeigen diese Fußform. Die natürliche Bandlockerheit nimmt ab und die Muskulatur kräftigt sich. Barfußlaufen unterstützt die Entwicklung.
Schulalter
(6–10 Jahre)
Das Fußgewölbe sollte sich nun erkennbar ausbilden und richtet sich bis etwa zum 10. Lebensjahr weiter auf. Bildet sich das Gewölbe mit etwa 6 bis 7 Jahren nicht auf, ist eine ärztliche Kontrolle empfehlenswert.
Jugendalter
(ab 10 Jahre)
Nur bei einem kleinen Anteil der Kinder bleibt die Fußform bestehen. Ohne Beschwerden ist der flexible Knick-Senk-Fuß auch jetzt nicht krankhaft. Bei Schmerzen oder zunehmender Steifigkeit (Dekompensation) sind weiterführende Maßnahmen sinnvoll.
Ursachen und Risikofaktoren
Wie der Knick-Senk-Fuß entsteht
Der physiologische (normale) Knick-Senk-Fuß
- Natürliche Bandlockerheit im Kindesalter
- Noch nicht ausgereifte Fußmuskulatur
- Familiäre Veranlagung möglich
- Verstärkt durch X-Bein-Stellung (Genua valga) und erhöhte Antetorsion des Schenkelhalses
- Übergewicht – Risikofaktor dafür, dass die Fußform bestehen bleibt
Wann eine andere Ursache dahinterstecken kann
In selteneren Fällen liegt dem Knick-Senk-Fuß eine andere Ursache zugrunde – diese muss ärztlich ausgeschlossen werden:
- Steifer Fuß durch knöcherne Ursache (z. B. Talus verticalis, tarsale Koalition)
- Neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. Muskelschwäche, Neuropathien)
- Syndromale oder bindegewebige Erkrankungen (z. B. Bandschwäche)
- Folgen von Entzündungen oder Verletzungen
Anzeichen und Beschwerden
Worauf Eltern achten können
Typisches Erscheinungsbild
- Ferse kippt nach innen weg, Fußinnenrand sinkt ab
- Abgeflachtes Fußlängsgewölbe im Stehen
- Kind „knickt" beim Laufen nach innen ein
- Meist beidseitig, flexibel und schmerzlos
Hinweise auf Behandlungsbedarf
- Schmerzen oder rasche Ermüdung beim Gehen/Sport
- Steifer Fuß, der sich im Zehenstand nicht aufrichtet
- Einseitige Fehlstellung
- Häufiges Stolpern oder Umknicken
Wann sollten Sie Ihr Kind untersuchen lassen?
Bei folgenden Auffälligkeiten empfehlen wir eine zeitnahe kinderorthopädische Vorstellung:
- Schmerzen im Fuß oder Bein
- Steifer Fuß, der sich im Zehenstand nicht aufrichtet
- Einseitige Fehlstellung
- Auffälligkeiten beim Gehen (häufiges Umknicken, Stolpern)
- Kein erkennbares Fußgewölbe nach dem 6. Lebensjahr
Buchen Sie dazu gern online einen Termin oder rufen Sie uns an.
Diagnostik in unserer Praxis
Sicher unterscheiden: harmlos oder behandlungsbedürftig?
Die Diagnose stellen wir durch eine sorgfältige Anamnese und eine klinische Untersuchung – das ist bei jedem Kind sinnvoll, das mit einem Knick-Senk-Fuß vorgestellt wird. Mit funktionellen Tests (Aufrichtung im Verlauf des Zehenstands, Einbeinstand, Jack-Test) prüfen wir, ob der Fuß flexibel ist und sich aktiv aufrichtet. Ein Röntgenbild ist beim schmerzlosen, flexiblen Knick-Senk-Fuß in der Regel nicht nötig – es bleibt schmerzhaften oder steifen Füßen vorbehalten.
Klinische Untersuchung
Beurteilung von Fußform und Gewölbe unter Belastung, des Gangbilds und der gesamten Beinachse. Funktionelle Tests zeigen, ob sich das Gewölbe im Zehenstand aufrichtet (flexibel) oder nicht (steif).
Ausschluss anderer Ursachen
Gezielter Ausschluss von Differentialdiagnosen wie Talus verticalis, tarsalen Koalitionen sowie neuromuskulären oder syndromalen Erkrankungen – bei Bedarf interdisziplinär.
Bildgebung nur bei Bedarf
Röntgen (unter Belastung) nur beim schmerzhaften oder steifen Knick-Senk-Fuß; bei speziellen Fragestellungen ergänzend Sonographie, MRT oder Ganganalyse.
Warum eine einmalige Vorstellung sinnvoll ist
Auch wenn ein Knick-Senk-Fuß meist harmlos ist: Erst wenn andere Ursachen sicher ausgeschlossen sind, darf er als normale Entwicklungsvariante eingestuft werden. Vor allem ein steifer Fuß (z. B. Talus verticalis), knöcherne Verbindungen der Fußwurzel oder neuromuskuläre Erkrankungen müssen erkannt werden, weil sie früh behandelt werden sollten. Eine einmalige kinderorthopädische Untersuchung gibt Ihnen Sicherheit – und ist die Grundlage für die richtige Empfehlung. Termin vereinbaren →
Behandlung – meist genügt Beobachtung
Die meisten Kinder mit einem flexiblen, schmerzlosen Knick-Senk-Fuß benötigen keine spezifische Therapie – empfohlen werden Aufklärung, ein aktiver Alltag und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Treten Beschwerden auf, stehen aktive Maßnahmen im Vordergrund: Fußübungen und Barfußlaufen. Einlagen kommen nur bei Beschwerden infrage, eine Operation ist eine seltene Ausnahme.
Beobachtung & Kontrolle
Beim beschwerdefreien flexiblen Knick-Senk-Fuß genügen regelmäßige Verlaufskontrollen. So lässt sich die gesunde Entwicklung sicher begleiten.
Fußübungen (erste Wahl bei Beschwerden)
Ein in den Alltag integriertes Fußgymnastik-Heimprogramm (z. B. beim Zähneputzen) kräftigt Fußmuskulatur und Fußheber und schult die Wahrnehmung. Zu den Übungen bei Knick-Senkfuß →
Barfußlaufen
Barfuß auf wechselnden Untergründen, Rennen und Klettern fördern die natürliche Fußentwicklung – eine der wirksamsten Maßnahmen.
Einlagen – nur bei Beschwerden
Beim schmerzfreien flexiblen Fuß und bei Kindern unter 6 Jahren sind Einlagen nicht nötig. Bei Beschwerden können sensomotorische Einlagen sinnvoll sein; ihr Nutzen ist allerdings nur gering belegt.
Physiotherapie (selten)
Nur in seltenen Fällen nötig – wenn konsequent durchgeführte Eigenübungen nicht ausreichen oder beim neurogenen/symptomatischen Knick-Senk-Fuß (z. B. Dehnung der Wadenmuskulatur, Kräftigung der Fußheber). Beim beschwerdefreien Fuß nicht erforderlich.
Operation (sehr selten)
Nur bei ausgeprägten, fortschreitenden Beschwerden mit Funktionsdefizit – meist erst im Schul- oder Jugendalter. Bei Kindern unter 6 Jahren ist eine OP eine Rarität.
Übungen oder Einlagen – was hilft?
Für den beschwerdefreien flexiblen Knick-Senk-Fuß ist keine spezifische Therapie nötig. Aktive Fußkräftigung und Barfußlaufen fördern die Entwicklung; bei Beschwerden ist ein Fußgymnastik-Heimprogramm die Maßnahme der Wahl. Einlagen haben laut Cochrane-Review nur eine geringe Evidenz und sind nicht routinemäßig erforderlich.
Gesunder Alltag für Kinderfüße
Bewegung, Barfußlaufen und das richtige Schuhwerk
Die beste Förderung für gesunde Kinderfüße ist ein aktiver Alltag: täglicher Bewegungsdrang, Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen und Normgewicht. Wenn Schuhe getragen werden, sollten sie weich sein und ausreichend Länge und Weite bieten.
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Dr. Jan Niklas Bröking ist Facharzt für Kinderorthopädie und Fußchirurgie und war Dozent für die Kinderfuß-Fortbildung der DAF. Gemeinsam mit Dr. Britta Bröking begleitet er Ihr Kind von der Abklärung bis zur Verlaufskontrolle.

Dr. med. Jan Niklas Bröking
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
- Zusatzbezeichnung Kinderorthopädie
- Fußchirurgie – Departmentleiter St. Elisabeth-Hospital Beckum
- Manuelle Medizin / Chirotherapie
- Zertifikat Fußballmedizin (DFB)
Häufige Fragen zum Knick-Senk-Fuß
Antworten auf die wichtigsten Fragen von Eltern
Was ist ein Knick-Senk-Fuß (Plattfuß) beim Kind?
Ab welchem Alter ist ein Knick-Senk-Fuß normal – und bis wann?
Wächst sich ein Knick-Senk-Fuß von selbst aus?
Braucht mein Kind Einlagen?
Welche Übungen helfen – und ist Barfußlaufen gut?
Mein Kind hat keine Beschwerden – muss es trotzdem zum Arzt?
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