Knick-Senk-Fuß (Pes planovalgus) bei Kindern
Häufig und meist harmlos – Ursachen, altersgerechter Verlauf und gezielte Behandlung
Was ist ein Knick-Senk-Fuß?
Der Knick-Senk-Fuß (auch als flexibler Plattfuß oder medizinisch Pes planovalgus bezeichnet) ist bei Kindern sehr häufig und meist harmlos. Das Fußgewölbe ist abgeflacht, und die Ferse kann leicht nach außen kippen. In den meisten Fällen ist der Fuß flexibel und verursacht keine Schmerzen oder Einschränkungen. Das Fußgewölbe entwickelt sich oft von selbst im Laufe des Wachstums, besonders in den ersten Lebensjahren.
Im Grunde werden nahezu alle Kinder mit einem flachen Fuß geboren. Ein sichtbares Fettpolster unter der Fußsohle – das sogenannte Spitzy-Fettpolster – verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Der scheinbare Plattfuß bei Säuglingen und Kleinkindern ist also keine Fehlstellung, sondern eine ganz normale Entwicklungsstufe. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt sich das Fußlängsgewölbe allmählich auszubilden.
Wichtig: Bevor ein Knick-Senk-Fuß als physiologisch – also als normale Entwicklungsvariante – eingestuft werden kann, sollte eine kinderorthopädische Untersuchung erfolgen. Dabei müssen andere Ursachen wie angeborene Verwachsungen der Fußknochen (tarsale Koalitionen), neuromuskuläre Erkrankungen oder ein steifer (kontrakter) Knick-Senk-Fuß ausgeschlossen werden.
Medizinisch geprüft von Dr. med. Jan Niklas Bröking, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Kinderorthopädie.
Fußentwicklung nach Altersgruppen
Wie sich das Fußgewölbe im Laufe des Wachstums entwickelt
Säugling & Lauflernalter
(0–2 Jahre)
Alle Säuglinge kommen mit einem flachen Fuß und einer natürlichen Knickfußhaltung auf die Welt. Das Fettpolster unter der Sohle lässt den Fuß zusätzlich platt erscheinen. Ein Knick-Senk-Fuß ist in diesem Alter vollkommen normal und kein Grund zur Sorge.
Kleinkindalter
(2–6 Jahre)
Das Fußlängsgewölbe bildet sich zunehmend aus. Der Knick-Senk-Fuß ist in diesem Alter nahezu immer physiologisch – etwa 97 % aller Kleinkinder zeigen diese Fußform. Die natürliche Bandlockerheit nimmt ab und die Muskulatur kräftigt sich. Barfußlaufen unterstützt die Entwicklung.
Schulalter
(6–10 Jahre)
Das Fußgewölbe sollte sich nun erkennbar ausbilden. Bildet sich das Gewölbe mit etwa 6 bis 7 Jahren noch nicht auf, ist eine ärztliche Kontrolle empfehlenswert. Die Beinachsen verändern sich und das Längsgewölbe richtet sich bis zum Alter von 10 Jahren kontinuierlich auf.
Jugendalter
(ab 10 Jahre)
Nur bei einem kleinen Anteil der Kinder verbleibt eine Fußfehlstellung. Ohne Beschwerden ist der flexible Knick-Senk-Fuß auch jetzt nicht als krankhaft zu werten. Bei Schmerzen oder zunehmender Steifigkeit können weiterführende Maßnahmen sinnvoll sein.
Ursachen und Diagnostik
Wie der Knick-Senk-Fuß entsteht und erkannt wird
Ursachen und Risikofaktoren
Der Knick-Senk-Fuß entsteht durch eine natürliche Lockerheit der Bänder und Gelenke im Kindesalter. Im Laufe der Entwicklung wird das Bindegewebe straffer und die Muskulatur kräftiger, sodass sich das Fußgewölbe meist spontan ausbildet.
- Natürliche Bandlockerheit im Kindesalter
- Noch nicht ausgereifte Fußmuskulatur
- Übergewicht kann das Auftreten begünstigen
- Familiäre Veranlagung möglich
- Verstärkte X-Bein-Stellung (Genua valga)
- Erhöhte Antetorsion des Schenkelhalses
Diagnostik in unserer Praxis
Die Diagnose wird durch eine klinische Untersuchung gestellt. Wir beurteilen das Fußgewölbe im Stehen, Gehen und Liegen und prüfen mit funktionellen Tests, ob der Fuß flexibel ist. Entscheidend ist der Ausschluss anderer Ursachen, bevor ein Knick-Senk-Fuß als normale Entwicklungsvariante eingestuft wird.
- Beurteilung des Fußgewölbes unter Belastung
- Zehenspitzenstand: Aufrichtung des Gewölbes?
- Prüfung der Beweglichkeit aller Fußgelenke
- Beurteilung der Beinachsen und des Gangbildes
- Unterscheidung flexibler vs. rigider Knick-Senk-Fuß
- Bildgebung nur bei Verdacht auf knöcherne Ursachen
Wann ist eine Behandlung nötig?
Die meisten Kinder benötigen keine Therapie
Die meisten Kinder mit einem Knick-Senk-Fuß haben keine Beschwerden und benötigen keine Therapie. Empfohlen wird lediglich die Beobachtung und regelmäßige ärztliche Kontrolle. Eine Behandlung ist nur dann sinnvoll, wenn Schmerzen, Beschwerden beim Gehen oder sportliche Einschränkungen auftreten. Auch wenn das Fußgewölbe sich nach dem 6. Lebensjahr nicht erkennbar ausbildet oder der Fuß sich im Zehenstand nicht aufrichtet, sollte eine weiterführende Untersuchung erfolgen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem flexiblen Knick-Senk-Fuß, bei dem sich das Fußgewölbe im Zehenstand aufrichtet, und dem kontrakten (steifen) Knick-Senk-Fuß, bei dem die Aufrichtung ausbleibt. Ein steifer Knick-Senk-Fuß ist als krankhaft zu werten und bedarf einer genaueren Abklärung.
Wichtiger Hinweis für Eltern
Auch wenn keine Beschwerden vorliegen, sollte zunächst eine kinderorthopädische Untersuchung erfolgen, um andere Ursachen der Fehlstellung auszuschließen. Für die Verlaufsbeobachtung empfehlen wir jährliche Kontrolluntersuchungen. Bei Kindern, die mit Einlagen versorgt werden, sind Kontrollen etwa alle 6 Monate sinnvoll, um den Therapieerfolg zu beurteilen und die Einlagen gegebenenfalls anzupassen. Ergänzende Fußübungen für zu Hause können die Therapie wirkungsvoll unterstützen.
Therapieoptionen bei Beschwerden
- Kinderorthopädische Untersuchung zum Ausschluss anderer Ursachen
- Fußübungen zur Kräftigung der Fußmuskulatur – auch spielerisch bei kleineren Kindern
- Barfußlaufen auf natürlichem Untergrund zur Stimulation der Fußentwicklung
- Einlagen (Orthesen) zur kurzfristigen Schmerzlinderung bei symptomatischen Füßen
- Physiotherapie bei ausgeprägten Beschwerden oder Funktionsstörungen
- Verlaufskontrollen: ca. alle 6 Monate unter Einlagentherapie, sonst jährlich
- Operationen nur in seltenen Fällen bei steifen oder stark schmerzhaften Füßen
Barfußlaufen und Fußgesundheit
Natürliche Unterstützung für die kindliche Fußentwicklung
Barfußlaufen auf natürlichem Untergrund wie Wiese, Sand oder Waldboden gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Unterstützung der kindlichen Fußentwicklung. Es stimuliert die Fußmuskulatur und fördert die natürliche Ausbildung des Fußgewölbes. Studien zeigen, dass regelmäßiges Tragen von Schuhen bei Kindern keinen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Fußgewölbes hat. Wenn Schuhe getragen werden, sollte auf passendes und flexibles Schuhwerk geachtet werden.
Ermutigen Sie Ihr Kind daher, so oft wie möglich barfuß zu laufen – sei es im Garten, auf dem Spielplatz oder zu Hause. Auch spielerische Fußgymnastik wie Greifübungen mit den Zehen, Zehenspitzenstand oder das Laufen auf verschiedenen Untergründen kann die Fußmuskulatur kräftigen und die Entwicklung des Fußgewölbes unterstützen.
Das richtige Schuhwerk für Kinderfüße
Worauf Eltern beim Schuhkauf achten sollten
Prognose und Hinweise für Eltern
Gute Aussichten für Ihr Kind
Positive Prognose
Ein Knick-Senk-Fuß ist bei Kindern meist normal und bildet sich oft von selbst zurück. Voraussetzung ist jedoch, dass ein Kinderorthopäde andere Ursachen der Fehlstellung ausgeschlossen hat. Das Fußgewölbe entwickelt sich im Laufe des Wachstums, und eine Behandlung ist nur bei Beschwerden erforderlich. Für die Verlaufsbeobachtung empfehlen wir jährliche Kontrolluntersuchungen – bei Kindern unter Einlagentherapie etwa alle 6 Monate. Wir in der Orthopädischen Praxis Beckum begleiten Sie und Ihr Kind gerne durch die verschiedenen Entwicklungsphasen – von der Erstvorstellung über regelmäßige Kontrolluntersuchungen bis hin zur individuellen Therapieempfehlung.
Häufige Fragen zum Knick-Senk-Fuß
Antworten auf die wichtigsten Fragen von Eltern
Was ist ein Knick-Senk-Fuß bei Kindern?
Wächst sich ein Knick-Senk-Fuß von selbst aus?
Wann muss ein Knick-Senk-Fuß behandelt werden?
Braucht mein Kind Einlagen bei Knick-Senk-Füßen?
Ist Barfußlaufen gut für Kinder mit Knick-Senk-Fuß?
Wie wird ein Knick-Senk-Fuß diagnostiziert?
Wann sollte ich mit meinem Kind zum Orthopäden?
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